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Totale Sonnenfinsternis am 1. August 2008

  • Mehr über die Sichtbarkeit dieses Ereignisses von Mitteleuropa aus

    Schattenwurf des Mondes auf die Erde. Animation von A. Barmettler.

    Die Vorläufer-Finsternis der am 1. August 2008 eintretenden und der Saros-Reihe 126 angehörenden totalen Sonnenfinsternis war die über Finnland am frühen Morgen des 22. Juli 1990 beginnende Finsternis. Einen Saros später hat sich das Finsternisgebiet rund 120° nach Westen verlagert, womit auch Europa noch randnah in den Mondhalbschatten zu liegen kommt und in den Mittagsstunden des 1. August 2008 eine kleine partielle Sonnenfinsternis erlebt.

    Das Totalitätsgebiet erstreckt sich mit einer Breite von maximal 236.8 km (im Mittelabschnitt) von Nordost-Kanada über Nordgrönland über die Insel Novaya Zemlya südwärts durch Zentralsibirien mit Nowosibirsk über das Altay-Gebirge, wo sie in den Abendstunden über China endet. Wie schon der Saros 121, der im Februar 2008 die polnahe ringförmige Finsternis generiert, ist auch der Zyklus 126 nach Norden auslaufend. Mit jeder weiteren Wiederkehr ist die Totalitätszone kürzer, dafür aber breiter, was allerdings keine längere Totalitätsdauer hervorbringt, im Gegenteil. Schon die Finsternis am 1. August 2008 muss mit einer längstmöglichen Dauer von 2 Minuten 27 Sekunden im Norden Sibiriens zu den kürzeren ihrer Art eingestuft werden; sie ist durchaus mit der Europäischen Sonnenfinsternis von 1999 vergleichbar.

    Globaler Verlauf der Sonnenfinsternis 1.8.2008
    Globale Sichtbarkeit der Sonnenfinsternis vom 1.8.2008. Grafik Thomas Baer.

    Verlauf der Totalitätszone

    Globaler Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 1.8.2008
    Rendering: Google Earth. Finsternispfad und Berechnung: A. Barmettler.

    Der Mondkernschatten trifft um 12:10 Uhr MESZ auf Asien. Schon kurze Zeit später erreicht die Sonne mit 34° ihren Tageshöchststand. Um 12:30 Uhr MESZ beginnt die totale Finsternis in Nizhnevartowsk (Dauer: 2 Minuten 26 Sekunden), nur 15 Minuten später steht Nowosibirsk im Schatten (Dauer: 2 Minuten 20 Sekunden). Fortan wird der Sonnenstand geringer und die Totalitätsdauer sinkt mit Erreichen von China unter die 2-Minuten-Marke. Der Kernschatten fällt immer flacher auf die Erdoberfläche, wird in die Länge gezogen und beschleunigt kurz vor dem Abheben im Bereich der Städte Xi'an und Nangang auf mehrere Tausend Stundenkilometer.

    Verlauf des Kernschattens der Sonnenfinsternis 1.8.2008
    Himmel während der Totalität in Nowosibirsk. Grafik Thomas Baer.

    Wetter entlang der Totalitätszone

    Der Finsternispfad in Nordkanada, Nordgrönland und der Arktis sind nur schwer zugänglich. Der mittlere Bewölkungsgrad liegt in dieser Region im August um 50% und die Sonnenhöhe liegt bei unter 25°. Während die Totalität Russland durchläuft, beträgt die Höhe der Sonne über dem Horizont um 30°. Erst südöstlich von Novosibirsk (83° Ost / 55°N) werden die zu erwartenden Wetterverhältnisse langsam besser, obwohl der Sonnenstand langsam abnimmt. Verkehrstechnisch würde sich ein Trip nach Nowosibirsk anbieten. Es ist mehr oder weniger der einzige Ort, der einigermassen gut (per Flugzeug oder mit der Transsibirischen Eisenbahn) erreicht werden kann und zudem fast auf der Zentrallinie der Finsternis liegt. Novosibirsk ist von den Aussichten her etwa mit Antalya 2006 zu vergleichen.

    Verlauf des Kernschattens der Sonnenfinsternis 1.8.2008
    Mittlere prozentualle Wolkenbedeckung für den August und Verlauf der Zentralline der Totalität. Grafik © Arnold Barmettler/CalSKY.com.


    Mean Cloud Cover for total solar eclipse of 1.8.2008
    Mittlere prozentualle Wolkenbedeckung für den August entlang dem Verlauf der Zentralline der Totalität. Von der Zentralline ist geografischer Länge angegeben. Grafik © Arnold Barmettler/CalSKY.com.

    Die Bewölkungsstatistik weist erst südlich des Altay-Gebirges, also nach dem Grenzübergang von Russland nach China und der Mongolei auf bis zu sehr gute Bedingungen hin. Das Altay-Gebirge ist selber eher zu meiden, weil es - bei immerhin 4000m Höhe - eine Zone erhöhter Bewölkungswahrscheinlichkeit darstellt. Zu bevorzugen ist aus klimatischen Gründen eine Region entlang der chinesischen Seidenstraße, die sich etwa zwischen Jiuquan und Hami durch die Randgebiete der Wüste Gobi zieht. Die klimatischen Daten sind etwa mit Jalu 2006 vergleichbar, die Wahrscheinlichkeit, die SoFi zu sehen, dürfte wegen des niedrigeren Sonnenstandes (ca. 20°) aber geringer sein als damals in Libyen. Ähnlich gute Wetterbedingungen sind in der angrenzenden Mongolei zu erwarten - doch ist dieses Gebiet aufgrund der bescheidenen Infrastruktur nur mit größerem Aufwand erreichbar. In den Regionen Hami und Jiayuguan sind inzwischen alle wesentlichen Straßen asphaltiert, die Zentrallinie ist problemlos erreichbar. Ziele, die südöstlich von Jiayuguan liegen, sind wegen des sinkenden Sonnenstandes bei wieder zunehmend ungünstiger werdenden klimatischen Daten aber nicht zu empfehlen.

    Verlauf des Kernschattens der Sonnenfinsternis 1.8.2008
    Mittlere prozentuale Wolkenbedeckung für den August und Verlauf der Zentralline der Totalität durch Asien. Grafik © Arnold Barmettler/CalSKY.com.

    Himmel während der Totalität

    Gleich vier Planeten stehen zum Zeitpunkt der totalen Sonnenfinsternis östlich des Tagesgestirns. Merkur (-1.7 mag), Venus (-3.9 mag) und Saturn (+0.8 mag) sollten problemlos zu sehen sein. Etwas schwieriger wird es mit Mars (+1.7 mag). Die verfinsterte Sonne ihrerseits steht im Krebs. Knapp 20° westlich (rechts) müssten Kastor und Pollux, nahe dem Zenit der Stern Arktur (0.0 mag) zu erkennen sein. Da der Mondschatten länglich auf die Erde projiziert wird, ist die Dunkelheit des Himmels nicht gleichmäßig verteilt. Im Süden und Norden reicht das Horizontleuchten höher über den Horizont als in der Ost-West-Achse.

    Himmel während der Totalität 1.8.2008
    Himmel während der Totalität in Nowosibirsk. Grafik Thomas Baer.

    Partielle Sonnenfinsternis in Europa

    Europa, mit Ausnahme des Südens und Südwestens erlebt am 1. August 2008 um die Mittagszeit eine kleine partielle Sonnenfinsternis. Die südliche Grenzlinie des Halbschattens verläuft entlang einer ungefähren Linie Bordeaux - Monaco - nördl. Rom - nördl. Athen. Nördlich davon rollt der Halbschattenkegel des Mondes entlang dieser Linie ab.

    In Deutschland beginnt die Finsternis zwischen 10:37 MESZ (Schleswig-Holstein) und 10:56 (Oberbayern). Enden tut sie in Deutschland zwischen 12:07 (Schwarzwald) und 12:36 (Rügen). Die maximale Bedeckung von 12-35% erreicht die Finsternis zwischen 11:27 und 11:40 MESZ.

    In der Schweiz beginnt die partielle Finsternis zwischen 10:51 Uhr MESZ (Jura) und 11:00 Uhr MESZ (Tessin) und endet zwischen 11:57 Uhr MESZ (Genf) und 12:19 Uhr MESZ (Raum Bodensee). Die maximale Bedeckung wird zwischen 11:27 Uhr MESZ (Genf) und 11:34 Uhr MESZ (Graubünden) erreicht.

    Über Europa nimmt der Bedeckungsgrad von Süden nach Norden zu. Während in Monaco der Neumond praktisch tangential an der Sonne vorbei gleitet, erreicht die Grösse in der Schweiz zwischen 0.07 Mag (Wallis) und 0.13 Mag (Schaffhausen), in Berlin schon 0.30 Mag.

  • Mehr über die Sichtbarkeit von Mitteleuropa aus

    Sie finden auf folgenden Seiten Detailinformationen zu dieser Finsternis:

    Finsternisreisen

    Für die Beobachtung der Sonnenfinsternisse von der Zentrallinie aus, schliessen Sie sich am einfachsten einer organisierten Reisegruppe an. Auf diese Weise haben Sie auch Zugang zu eher abgelegenen Regionen, welche aber für die Beobachtung der Finsternis optimal gelegen sind. Wir bieten Ihnen gemeinsam mit unseren Reiseagenturen zahlreiche Reisen an, sowohl Kurz- bis Kürzestreisen, wie auch längere Rundreisen, die auch dem Kulturinteressierten entgegen kommen. Für den Laien, der zum ersten Mal das eindrückliche Erlebnis einer totale Sonnenfinsternis erleben möchte, bietet sich auch eine Reise mit astronomischer Reisebegleitung an.

    PDF-Infoblatt

    Weiterführende Links



    Sicherheit

    Wie bei jeder Sonnenbeobachtung ist auch während der gesamten Dauer der Finsternis (ausser während der totalen Phase) für professionellen Augenschutz zu sorgen. Wenn Sie zur teilweise verfinsterten Sonne hochblicken, müssen sie einen für die Sonnenbeobachtung zugelassenen Augenschutz tragen ("Finsternisbrille", →  zu beziehen bei CalSKY). Optische Geräte müssen ebenfalls mit einem vom Hersteller für die Sonnenbeobachtung vorgesehenen Filter ausgestattet werden.

    WARNUNG: Das Starren in die Sonne kann zu Augenschäden führen. Der Blick zur Sonne durch ein ungeschütztes optisches Instrument (Ferngläser, Fernrohre, etc.) WIRD IN SEKUNDENBRUCHTEILEN ZUR ERBLINDUNG FUEHREN! Dies gilt auch, wenn die Sonne durch den Mond teilweise verdeckt wird.



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    30.04.2008 23:50 Uhr, Thomas Baer

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