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Planeten im Mai 2008

Bis Mitte Mai bietet Merkur seine beste Abendsichtbarkeit in diesem Jahr. Auch der Ringplanet Saturn und Mars sind am Abendhimmel zu beobachten. Saturn kann mit seinen flach geöffneten Ringen nach dem Einnachten hoch im Süden im Sternbild Löwe beobachtet werden und bringt jeden Sternwartenbesucher zum Staunen. Mars ist noch bis in die frühen Morgenstunden im Sternbild Zwillinge zu finden. Ein Teleskop zeigt ein ovales aber detailloses kleines Scheibchen. Jupiter taucht Ende Monat bereits gegen Mitternacht am Himmel auf. In der Morgendämmerung ist er zwar hell aber nur in 15° Höhe im Süden zu sehen.

Merkur

Bis Mitte Mai in bester Abendsichtbarkeit des Jahres

Ansicht von Merkur
Merkur, aktuelle Ansicht wird laufend aktualisiert
Merkur ist im Mai über dem Südwest-Horizont in der Abenddämmerung zu sehen. Die Grafik zeigt die Höhe über Horizont, unter Angabe des Azimuts zum Zeitpunkt der bürgerlichen Dämmerung. © CalSky / A. Barmettler.
Sichtbarkeit April/Mai 2008 von Merkur

Selten ist der flinke Planet Merkur so gut zu sehen wie im Mai. Noch bis zum 20. Mai 2008 bietet er uns eine ausgesprochen gute Abendsichtbarkeit.

Seit einigen Tagen kann man Merkur gegen 21.15 Uhr MESZ sehen. In der ersten Maiwoche verbessern sich die Bedingungen stetig. Da die Ekliptik, die scheinbare jährliche Sonnenbahn, entlang derer sich auch die Planeten bewegen, im Frühjahr steil über den Westnordwesthorizont steigt, wird Merkur weit über die Horizontlinie gehoben, was ihn aus den hellsten Bereichen der Abenddämmerung entweichen lässt. Auch seine Helligkeit dürfte sein Aufsuchen erleichtern. Besonders einfach findet man Merkur am Abend des 6. Mai, wenn die zunehmende Sichel des Mondes 2° nordwestlich, das entspricht etwa vier Mondbreiten, von ihm entfernt steht. Am 14. Mai erreicht er mit 21.8° die so genannte grösste östliche Elongation. Gemeint ist damit der maximale seitliche Winkelabstand von der Sonne. Beobachtet man Merkur zu diesem Zeitpunkt durch ein Fernrohr, erscheint das Planetenscheibchen genau hälftig beschienen. In den folgenden Tagen wandert Merkur räumlich betrachtet zwischen Sonne und Erde durch, womit wir immer mehr auf seine unbeleuchtete, Sonne abgewandte Seite blicken.

Deutlich ist am Teleskop auch zu verfolgen, wie sich durch die kleiner werdende Distanz zwischen Erde und Merkur dessen scheinbarer Durchmesser vergrössert. Ein letztes Mal sieht man den flinken Planeten um den 21. Mai herum.

Thomas Baer

Stimmungsfoto von Mond und Merkur am Abend des 6. Mai 2008, gegen 21:45 Uhr MESZ (Sternwarte Bülach). Foto Thomas Baer.
Mond bei Merkur
Die Höhe von Merkur über Horizont ändert täglich. Grafik Thomas Baer.
Sichtbarkeit Mai 2008 von Merkur



Saturn

Bis in die Morgenstunden sichtbar

Simulierte Ansicht von Saturn − laufend aktualisiert © CalSky / A. Barmettler.
Saturn, aktuelle Ansicht
Die Grafik zeigt die Höhe über Horizont, unter Angabe des Azimuts zum Zeitpunkt der astronomischen Dämmerung (Sonne 18° unter Horizont). © CalSky / A. Barmettler.
Sichtbarkeit 2008 von Saturn

Der Ringplanet erreicht den höchsten Punkt seiner täglichen Bahn bereits vor Sonnenuntergang. Deshalb verschlechtern sich nun die Sichtbarkeitsbedingungen abends rasch, vor allem weil die Dämmerung immer später endet. Wer den Planeten dieses Jahr noch nicht durch ein Teleskop beobachten durfte, sollte sich nun beeilen und noch im Mai eine öffentliche Sternwarte aufsuchen.

Saturn befindet sich im Sternbild Löwe und wird am 3. Mai rückläufig − somit endet die Oppositionsschleife des Gasplaneten für dieses Jahr. Langsam entfernt sich der Planet wieder vom Hauptstern vom Löwen, Regulus. Er leuchtet mit einer Helligkeit von 0.6 Grösse fast doppelt so hell wie Regulus.

Die Ringebene von Saturn ist nun nur noch 10° geneigt. In den nächsten Monaten werden die Ringe scheinbar immer schmaler, bis sie im August 2009 gänzlich verschwinden: Weil die Erde in der Ringebene zu liegen kommt sehen wir seitlich auf die dünnen Ringe.



Mars

Bis gegen 1 Uhr in den Zwillingen und Sternbild Krebs sichtbar

Mars-Ansicht, laufend aktualisiert. © CalSky.
Mars, aktuelle Ansicht

Mit Tempo eilt Mars durch die Ekliptik: Beginnend von den Zwillingen durchläuft er ab 5. Mai das Sternbild Krebs, das er bereits am 10. Juni wieder verlässt. Anfang Mai befindet sich Mars südlich der hellen Zwillings-Sterne Castor und Pollux. Seine Helligkeit von 1.5 Grössenklassen liegt gerade in der Mitte zwischen den Helligkeiten von Castor (2. Grösse) und Pollux (1.1 Grösse). Sein Durchmesser beträgt bescheidene 5 Bogensekunden: damit zeigen auch grosse Amateurteleskope keine Oberflächendetails mehr auf Mars; höchstens der Beleuchtungsdefekt ist erkennbar. Am 13. Mai steht Mars in Sonnenferne: die Distanz von der Sonne beträgt dann 1.666 AE. Er nähert sich anschliessend der Sonne bis am 21. April 2009, wenn ihn der Perihel bis auf 1.381 AE an die Sonne heran bringt.

Die Grafik zeigt die Höhe über Horizont von Mars, unter Angabe des Azimuts zum Zeitpunkt der nautischen Dämmerung (Sonne 12° unter Horizont). © CalSky / A. Barmettler.
Sichtbarkeit 2008 von Mars

Mars wird am 10. Mai vom Mond bedeckt

Der Mars erhält am 9./10. Mai Besuch vom zunehmenden Mond. Dabei kommt es sogar zu einer Bedeckung der kleinen Planetenscheibe des Mars. Diese findet am Samstagnachmittag, 10. Mai, statt. Die Helligkeit von Mars beträgt allerdings nur noch 1.3 Grössenklassen und durch seine geringe Flächenhelligkeit dürfte der Planet selbst bei klaren Wetterverhältnissen nur mit Mühe im Teleskop zu sehen sein. Einfacher als der Eintritt ist der Austritt zu beobachten, weil dann die beleuchtete Mondseite als Aufsuchhilfe herhalten kann.

Simulation der Marsbedeckung vom 10. Mai, kurz nach Ende der Bedeckung um 15.15 Uhr MESZ. Gezeichnet für Zürich. Grafik: CalSky/A. Barmettler.


Mars durchläuft die Krippe

Nachdem der offene Sternhaufen Krippe, auch Praesepe oder Messier 44 genannt, im April vom Mond bedeckt wurde, kommt es im Mai zu einem weiteren himmlischen Treffen mit dieser Sterngruppe: Vom 21. bis 23. Mai quert der Planet Mars den Sternhaufen im Herzen vom Sternbild Krebs. Dieses Ereignis ist am Besten durch ein Fernglas zu beobachten und lädt Astrofotografen zu eindrücklichen Fotos ein.

Der Mars durchläuft Ende Mai den offenen Sternhaufen Praesepe, auch Krippe oder Messier 44 genannt. Grafik gezeichnet für jeweils Mitternacht im Horizont-System von CalSky/A. Barmettler.


Jupiter

Am Morgenhimmel

Jupiter-Ansicht, laufend aktualisiert. © CalSky.
Jupiter, aktuelle Ansicht

Jupiter beginnt am 9. Mai seine Oppositionsschleife im Sternbild Schütze, er wird dann rückläufig. In Opposition gelangt er am 9. Juni − er steht dann von der Erde aus gesehen der Sonne gegenüber und ist die gesamt kurze Nacht über am Himmel zu sehen. Anfang Mai taucht der Gasplanet Jupiter erst gegen 2 Uhr in der Früh am Südosthimmel auf. Bis Ende Mai verfrüht sich der Aufgang auf Mitternacht. Seine höchste Höhe der täglichen Bahn erreicht er um Sonnenaufgang, allerdings bei sehr bescheidenen Höhen über Horizont: Mit rund 15° Höhe zeigen Teleskope nur bei sehr ruhiger Erdatmosphäre Details an den Wolkenbändern. Für die Beobachtung der Spiele der Jupitermonde reicht es dennoch allemal.

Stellung der Jupitermonde − erste sichtbare Verfinsterung von Kallisto seit 2004

Aktuelle Stellung der Jupitermonde, © CalSky.com.

Die Beobachtung von Schattenspielen der vier grössten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto ist bereits in einem kleinen astronomischen Teleskop möglich, und die Stellung der vier Jupitermonde um Jupiter bereits im Fernglas sichtbar.

Am 22. Mai wird um 3.10 Uhr MESZ zum ersten Mal seit dem 25./26. Mai 2004 der Mond Kallisto wieder von Mitteleuropa aus sichtbar verfinstert. Die Finsternis dauert nur 19 Minuten.



Venus

Unsichtbar

Venus steht am 9. Juni 2008 in oberer Konjunktion mit der Sonne und ist bis im August unsichtbar. Bis Venus wieder gut sichtbar wird müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden: erst wieder zu Jahreswechsel 2008/9 steigt die Venus hoch in den Dämmerungshimmel empor, dann wird sie für einige Monate den Abendhimmel zieren.



Uranus, Neptun

Am Morgenhimmel

Uranus taucht Ende Monat gegen 2½ Uhr im Südosten auf. Er befindet sich im Sternbild Wassermann und ist theoretisch gerade noch von blossem Auge sichtbar: seine Helligkeit beträgt im Mai 5.9 Grössenklassen. Allerdings braucht es ein Teleskop, um die Planetenscheibe eindeutig zu erkennen, und in Horizontnähe liegt die Grenzhelligkeit tiefer.

Neptun hat sich schon etwas weiter von der Sonne abgesetzt als Uranus, befindet sich aber bei einer rund 10° südlicheren Deklination als Uranus im Sternbild Steinbock. Dadurch erreicht er nach seinem Aufgang von anfangs 3 Uhr in der Morgendämmerung eine nur bescheidene Höhe, vergleichbar mit derjenigen von Jupiter.

Wenn Sie Uranus oder Neptun aufsuchen möchten, erstellen Sie sich bitte eine aktuelle Aufsuchkarte (die Bildausschnittshöhe entspricht jeweils etwa dem Winkel, der eine gespreizte, ausgestreckte Hand aufspannt):



Weiterführende Links



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07.05.2008 12:01 Uhr, Arnold Barmettler

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