|
||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Es taucht immer wieder bei Ebay auf, und es ist bei Hobbyfotografen ebenso bekannt wie umstritten: das Telezoom-Objektiv mit 650-1300mm Brennweite und einer Lichtstärke von 1:8 bis 1:16. In diesem Artikel wird das ca. 280 Euro teure Objektiv asiatischer Herkunft ohne Markennamen (z.B. von den Firmen Dörr, Exakta und Walimex vertrieben) näher vorgestellt und auf seine Astro-Tauglichkeit hin untersucht.
Hinweis: Zu diesem Gerät gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte mit sehr unterschiedlichen Qualitätsurteilen. Dieser Bericht gibt die Erfahrungen und Eindrücke wieder, die ich mit meinem eigenen Gerät sammeln konnte.
Fernobjektive sind Objektive mit einer Brennweite, die mehr als der zehnfachen Normalbrennweite entspricht. Im klassischen Kleinbild-Format (24x36 Millimeter), deren Format bei den Vollformat-Sensoren digitaler Spiegelreflexkameras übernommen wurde, sind dies Objektive mit einer Brennweite von mehr als 500 Millimetern.
Diese Objektive werden primär für die Sport-, Tier- und Pressefotografie konzipiert, aber auch häufig für Sonnenuntergänge angewendet. Wie wir noch sehen werden, eignet sich diese Objektivklasse auch hervorragend für die Astrofotografie.
Fernobjektive gibt es in aller Regel als Festbrennweiten mit den Brennweiten 600mm, 800mm, 1000mm und 1200mm und Lichtstärken von 1:4 bis 1:5,6.
Das folgende Foto zeigt den Autor mit einem solchen festbrennweitigen 4/600mm-Teleobjektiv (ein Ausstellungsstück).
![]() |
Das Gerät ist ohne Sonnenblende 45 Zentimeter lang, wiegt in der gezeigten Konfiguration ca. sechs Kilo und kostet 7000 Euro. Zum Vergleich: Das Canon 5,6/1200 Millimeter-Teleobjektiv wird nur auf Bestellung gefertigt, wiegt 16 Kilo, ist 80 Zentimeter lang und kostet 100.000 (in Worten: Einhunderttausend) Euro.
In der Astrofotografie werden solche Objektive primär bei der Fotografie von Finsternissen eingesetzt. Ihre optischen Eigenschaften machen sie grundsätzlich zu exzellenten Deep-Sky-Kanonen. Hier finden sie jedoch aufgrund ihres hohen Preises im Vergleich zu Teleskopen kaum Anwendung. In wieweit das 650-1300mm-Teleobjektiv für die Astrofotografie taugt, zeigt dieser Artikel.
Im Vergleich zu diesen "Kanonenrohren" ist das in diesem Beitrag besprochene Objektiv geradezu klein.
Es ist im eingefahrenen Zustand zwar ebenfalls 45 Zentimeter lang, wiegt jedoch nur ca. zwei Kilo und bewegt sich mit einem Anschaffungspreis von ca. 280 Euro auf einem sehr geringen Niveau.
Auf den ersten Blick wirkt die Optik sehr solide: Das Metallgehäuse macht einen soliden Eindruck, und die Vergütung der Frontlinse wirkt einwandfrei. Auffällig ist eine Innenfokussierung, die bei Billigteilen dieser Brennweite eher untypisch ist.
Das optische Design ist ein achromatisches, festbrennweitges 650mm-Objektiv. Die längeren Brennweiten werden durch einen einfachen Vorgang erzielt, der, wir später noch sehen werden, für die Astrofotografie nicht immer vorteilhaft ist.
Auf dem hinteren Teil der Optik befindet sich eine verschiebbare Röhre, mit der man die Kamera von der Hinterlinse weg verschieben kann. Hierbei vergrößert sich der Abstand von der Hinterlinse zum Kamerasensor, wobei die Hinterlinse das Bild wie bei einem Diaprojektor auf den Sensor projiziert. Mit wachsendem Abstand wird das Bild also größer, aber auch lichtschwächer. Auf die Astrofotografie bezogen, arbeitet das Objektiv nach dem Prinzip der Okularprojektion.
Das Gehäuse der Optik und die Sonnenblende sind für den Preis erstaunlich robust. Als 650mm-Teleobjektiv lässt die Verarbeitung kaum Wünsche offen. Die Befestigung auf einem Fotostativ ist steif und stabil. Beim Auslösen zeigen sich auch bei längeren Belichtungszeiten keine durch den Klappspiegel hervorgerufenen Verwackelungsunschärfen.
Anders sieht es bei der Verwendung längerer Brennweiten aus.
Die Vorrichtung zur Verlängerung der Brennweite ist nicht sehr stabil gebaut: Der Ring, der zum fixieren einer Brennweiteneinstellung verwendet wird, lässt sich bei den längeren Brennweiteneinstellungen nur schwer richtig fest drehen. Umgekehrt verkantet das Gewinde sehr leicht bei den kurzen Brennweiten. Das folgende Foto zeigt den Feststellring.
![]() |
Bei den längsten Brennweiten ab etwa 1200 Millimeter zeigt sich ein schwerwiegendes Problem: Stellt man das Objektiv auf solch lange Brennweiten ein, kippt die Röhre mit der angesetzten Kamera ein wenig nach unten ab. Dieser Effekt ist für das bloße Auge kaum merklich. Dennoch hat das Problem verheerende Auswirkungen, die sich gerade bei modernen digitalen Spiegelreflexkameras bemerkbar machen.
Durch das Abkippen des Sensors relativ zur Hinterlinse der Optik fällt das Licht nicht mehr orthogonal zum Sensor ein. Die Folge ist, dass der Sensor nur in einer schmalen Linie direkt im Fokus des Objektivs liegt, in den Randpartien wird das Bild leicht unscharf.
Bei digitalen Kameras kommt ein weiterer Störfaktor hinzu: Vor jedem Pixel befindet sich eine Mikrolinse, die das Licht noch einmal bündelt. Beim Abkippen des Sensors fällt das Licht nicht mehr korrekt auf diese Linsen. Die Folge ist, dass das Licht nicht mehr korrekt gebrochen wird, und um helle Motive entstehen leichte Farbsäume in Folge der chromatischen Aberration.
Im ausgefahrenen Zustand wird das Objektiv sehr instabil, da sich der Schwerpunkt dann nicht mehr beim Stativgewinde befindet. Die Folge ist, dass man bei den längsten Brennweiten maximal 1/125 Sekunde belichten kann, ohne dass es zu Verwackelungsunschärfen durch das Schwingen des Klappspiegels kommt.
Wie alle Fernobjektive lässt sich die Optik mit einer Schelle problemlos vom Quer- ins Hochformat drehen, ohne dass das Objektiv vom Stativ genommen werden muss. Dieses Detail ist mechanisch sehr solide gelöst und arbeitet ohne Probleme.
Die Fokussierung erfolgt nur manuell. Der Mechanismus ist eine Innenfokussierung, die sonst nur bei hochwertigen Objektiven angewendet wird. Die Innenfokussierung bietet einige Vorteile: Die Länge des Objektivs bleibt konstant. Die Frontlinse dreht sich nicht mit, was den Einsatz von Filtern vor dem Objektiv, insbesondere Polarisations- und Effektfiltern, erleichtert. Der wichtigste Vorteil ist allerdings, dass das Objektiv mit einer Innenfokussierung staubdicht konstruiert werden kann. Auf diese Weise ist eine Verschmutzung von innen nahezu ausgeschlossen.
Die Innenfokussierung ist bei besagtem Objektiv geradezu vorbildlich gelöst. Sie ist leichtgängig, dennoch spürt man einen Widerstand. Auf diese Weise lässt sich sehr genau fokussieren. Bei meinem Gerät ist diese manuelle Fokussierung äusserst exakt und kann mit hochwertigen Markenartikeln mindestens gleichsetzen oder übertrifft sie sogar.
Von einem Fernobjektiv dieser Preisklasse kann man zwar eine akzeptable, jedoch keine Spitzen-Bildqualität erwarten. Andererseits verspricht die relativ kleine Anfangsöffnung von f/8 eine gute Randschärfe. Probefotos am Mond zeigen die Stärken und Schwächen dieses Objektivs.
Die folgenden Mondfotos wurden mit dem beschriebenen Objektiv ohne zusätzliche Fokussierhilfen (Scheinerblende etc.) mit 650mm Brennweite aufgenommen.
![]() |
Das nicht skalierte Originalbild zeigt einen scharfen Mondrand. In den Randpartien erkennt man Farbsäume, die oben blau und unten gelblich-rot erscheinen. Das ist ein eindeutiger Hinweis auf eine chromatische Aberration. Auf Fotos des Mondes, die mit analogem Film aufgenommen wurden, ist keine chromatische Aberration erkennbar. Möglicherweise war die Kamera nicht stabil genug befestigt, und sie ist wie oben beschrieben leicht abgekippt.
Schärfe und Auflösung sind mit preiswerten Refraktoren gleicher Größe (etwa 80mm Objektivöffnung) vergleichbar. Das Gerät ist jedoch auffallend kontrastarm, vergleichen mit einem 4/300mm-Teleobjektiv von Zeiss, das mit 75mm eine vergleichbare Objektivöffnung hat.
Das Bild zeigt den Farbfehler des obigen Bildes im Detail. Der Ausschnitt ist unskaliert.
![]() |
Insgesamt ist die Schärfe sehr gut, Kontrast und Farbtreue sind meiner Meinung nach zufrieden stellend.
Mit diesem Gerät erwirbt man ein solides 650mm-Fernobjektiv, das eine insgesamt akzeptable Mechanik mit einer guten Optik kombiniert. Die Schärfeleistung ist gut bei einem etwas geringeren Kontrast als bei ähnlichen Optiken.
Bei längeren Brennweiten ist die Mechanik nicht ausgereift. Es empfiehlt sich der Gebrauch als festbrennweitiges 650mm-Teleobjektiv, da das Gerät die Stabilität im Bereich langer Brennweiten aufgrund der hier geringeren Stabilität für die Astrofotografie untauglich ist.
|
|||||||||||
|
|||||||||||