Kometen im Dezember 2007
Der periodische Komet 17P/Holmes hellte Ende Oktober innerhalb von Stunden sensationell um das 250'000-fache auf:
von praktisch unscheinbaren und nur für Spezialisten sichtbaren 16. Grösse auf rund 2.5 Grösse. Mittlerweile hat sich die dabei
ausgestossene Staubhülle so weit ausgedehnt, dass der diffuse rundliche Nebel von über der doppelten scheinbaren Grösse des Mondes nur mit Fernglässer
oder Teleskopen zu beobachten ist. Der Komet befindet sich im Sternbild Perseus.
Ein anderer periodischer Komet, 8P/Tuttle, nähert sich der Erde. Er hellt im Dezember von anfangs 9. auf möglicherweise bis zu 5.5 Grössenklasse auf, und ist abends für Teleskop- und Fernglasbesitzer gut sichtbar.
Er läuft im Dezember am Nebel NGC 281 und am 30. Dezember an der grossen Galaxie Messier 33 vorbei.
Selbst heute noch haben diese eisigen Besucher einen Hauch von Mystik:
Die meisten Kometen erreichen nur einmal die warmen Zonen des inneren
Sonnesystems und sie kommen von weit entfernt, von der Grenze unseres
Sonnensystems. Nach der Vorführung von bis zu einigen Wochen Dauer
verschwinden sie wieder (häufig für immer) in den Tiefen des Weltraums,
brechen vielleicht in Sonnennähe auseinander oder stürzen sogar in die Sonne.
Komet 17P/Holmes
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Komet 17P/Holmes passiert den hellen Stern Mirfak im Perseus. Foto und Bearbeitung: Peter Stättmayer, Volkssternwarte München.
Das Foto entstanden am 18.11.2007 um 23.30 UT.
Optik: Lichtenknecker FFC, 520mm Brennweite, f/2.7.
Kamera: Canon EOS 20Da, Komposit zweier Aufnahmen mit jeweils 60 Sekunden Belichtung bei 800 und 1600 ISO.
Norden ist oben.
Aufnahmeort: Herrsching am Ammersee.
Der Komet 17P/Holmes macht momentan einen Superausbruch durch. Das ansonsten unscheinbare 16-17 mag Objekt ist am 23. Oktober 2007 innert wenigen Stunden auf 2.5 Grösse aufgehellt und war bis Mitte November problemlos von blossem Auge zu sehen.
Der Komet erschien zu Beginn praktisch sternförmig und vergrösserte sich laufend. Mitte November erreichte er dabei die Grösse des Vollmonds. Er liegt anfangs unmittelbar beim Hauptstern des Sternbilds Perseus (Mirfak) und läuft langsam zum Stern Algol, den er aber erst am 23. Januar passieren wird. Die Gesamthelligkeit des Kometen wird Anfang Dezember noch auf 4. Grösse geschätzt, durch seine enorme Grösse stört aber bereits das Mondlicht oder die Lichtverschmutzung, um ihn von blossem Auge zu sehen. Ein Blick durch ein Fernglas oder Teleskop fernab von den Aufhellungen einer Stadt zeigt aber einen runden Nebel, mit einer darin eingebetteten Aufhellung. Das indirekte Sehen hilft bei der Beobachtung des nebeligen Kometen.
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Der Amateurastronom Marco Iten aus dem Tessin hat die Entwicklung des Kometen 17P/Holmes vom 26. Oktober (links) bis am 16. Dezember 2007 (rechts) auf einem einmaligen Bildmosaik festgehalten. Die Aufnahmen machte er mit einem 10 Zoll Teleskop und einer Olympus E330 Kamera. Beim hellsten Stern in der Bildmitte handelt es sich um Mirfak. Weitere Bilder von Marco Iten sind finden Sie hier.
Der Komet entfernt sich von der Erde bis Ende Jahr auf die doppelte Distanz Sonne-Erde. Die Entfernung zur Sonne beträgt 2.6 AE (eine Astronomische Einheit ist die mittlere Distanz Sonne-Erde). Wegen diesen grossen Entfernungen konnte nie ein richtiger Kometenschweif ausgemacht werden. Die äussere Staubhülle des Kometen, also die Wolke aus Gas und Staub, die den Kometenkern seit dem Ausbruch umgibt, expandiert mit einer Geschwindigkeit von rund 500 Meter pro Sekunde zeigt im Dezember einen scheinbaren Durchmesser von rund zwei Monddurchmessern.
Das Sternbild Perseus steht jetzt abends gegen 20 Uhr MEZ bereits sehr hoch am Himmel im Nordosten (in etwa 70° Höhe). Der Komet befindet sich praktisch oberhalb des hell funkelnden Sterns Capella und unterhalb des bekannten Sternbilds Cassiopeia, dem "Himmels-W". Zwischen 21 und 23 Uhr steht Holmes sogar in unmittelbarer Nähe des Zenits.
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Die Position des Kometen 17P/Holmes im Sternbild Perseus für Dezember 2007 bis Februar 2008. Ein Schweif ist wegen der grossen Distanz zur Sonne und Erde nicht sichtbar. Grafik A. Barmettler.
Die Entdeckung des Kometen gelang ebenfalls wegen einem Ausbruch. 1892 wollte E. Holmes von London aus die Andromeda-Galaxie beobachten, fand aber bei der Suche plötzlich ein anderes Objekt im Okular. Wie sich später herausstellte, stand der Komet bereits einen Monat früher in Erdnähe und wurde übersehen. Es liegt daher nahe, dass Holmes den von blossem Auge sichtbaren Kometen nach einem Helligkeitsausbruch entdeckt hatte, wie wir in jetzt gerade erleben dürfen. Im Jahr 1892 blieb der Komet für rund drei Wochen von blossem Auge aus sichtbar. Bis 2007 verhielt sich der Komet, der in 7 Jahren um die Sonne kreist, ruhig, war also nur sehr schwierig zu beobachten. Zwei Monate nach der Entdeckung im Jahr 1892 kam es zu einem weiteren, aber weniger starken Ausbruch. Vielleicht hellt der Komet Holmes auch dieses Mal wieder auf? Es lohnt sich also, den Kometen auch in den folgenden Wochen regelmässig ins Visier zu nehmen.
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Walter Gross fotografierte den Kometen 17P/Holmes im Sternbild Perseus am 17. November 2007.
Zur Veranschaulichung der Grösse des Kometen wurde im rechten Bild ein Mondbild einkopiert.
Komet 8P/Tuttle
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Komet 8P/Tuttle fotografiert von Peter Heinzen am 19. Dezember 2007 zwei Mal innert einer Stunde. Der Komet hat sich zwischen den Aufnahmen deutlich bewegt.
Der Komet 8P/Tuttle ist ein periodischer Komet, der erstmals 1790 beobachtet wurde. Seine Periodizität von 14 Jahren wurde allerdings erst 1858 festgestellt. Die Sonnennähe bringt den Kometen 2007/2008 besonders nahe an die Erde heran: am 1. Januar 2008 beträgt der Abstand zur Erde nur einen Viertel der Entfernung Erde-Sonne. Der Komet erreicht dann voraussichtlich eine Helligkeit von 5.5 Grössenklasse, ist somit von dunklen Standorten aus bereits von blossem Auge als verschwommener Fleck erkennbar.
Anfang Dezember ist 8P/Tuttle in der Nähe des Himmelspols zu finden. Seine Helligkeit beträgt dann 9. Grösse und der Durchmesser der grünlichen Koma dürfte rund 3 Bogenminuten betragen. Er hellt dann kontinuierlich auf und erreicht zum Jahreswechsel 5.5 Grösse.
Im Laufe des Dezembers gelangt er rasch südlich, durchläuft das Sternbild Kepheus, Kassiopeia und Andromeda. Gegen Jahresende sollte 8P/Tuttle von blossem Auge sichtbar werden, auch ist er nicht mehr zirkumpolar. Am Höchsten steht er jeweils gegen 19 Uhr MEZ.
Im Januar 2008 wird der Komet rasch weniger gut sichtbar für Beobachter in Mitteleuropa. Im Perihel steht 8P/Tuttle am 27. Januar 2008, knapp ausserhalb der Erdbahn. Zu diesem Zeitpunkt ist er nur noch 7. Grösse hell und nur für Beobachter der Südhalbkugel ein lohnendes Objekt.
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Komet 8P/Tuttle durchläuft im Dezember den Sternhimmel vom Kleinen Bär durch die Kassiopeia und Andromeda südwärts. Die Positionen beziehen sich jeweils für 20 Uhr MEZ. Anfang Dezember zeigt das grüne Kreuz den Zenit an.
Begegnung mit Deep-Sky Objekten
Am Vormittag des 23. Dezember zieht der Komet mit 15 Bogenminuten knapp am Emissionsnebel NGC 281 vorbei. Am Tageswechsel 30./31. Dezember 2007 durchläuft der Komet sogar die äussersten Arme bekannten Galaxie Messier 33 (Triangulum-Galaxie) − ein seltenes Fressen für Astrofotografen!
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Komet 8P/Tuttle durchläuft am 30./31. Dezember die Galaxie Messier 33.
8P/Tuttle ist der Ursprungskomet des Ursiden Meteorstroms, dessen Maximum am 22./23. Dezember erreicht wird. Der Strom produziert
im Schnitt rund 10 Sternschnuppen pro Stunde.
Weiterführende Links
Erfahren Sie mehr über Kometen in unserem Astro-Lexikon
Liste der sichtbaren Kometen (CalSky.com)
Aktuelle Ephemeriden von Kometen (CalSky.com)
Sternkarten zum Auffinden von Kometen (CalSky.com)
Kometen in Sonnennähe: SOHO überwacht die Sonnenumgebung (Bilder in rechter Spalte)