Kometen im November 2007
Der periodische Komet 17P/Holmes hellte Ende Oktober innerhalb von Stunden sensationell um das 250'000-fache auf:
von praktisch unscheinbaren und nur für
Spezialisten sichtbaren 16. Grösse auf rund 2.5 Grösse. Der Komet ist im Sternbild Perseus als diffuser, rundliches Nebel von Mondgrösse mit Fernglas oder Teleskop einfach zu beobachten;
wegen der sehr grossen Distanz zum Kometen ist kein Schweif sichtbar. Er dürfte noch ein paar Wochen hell bleiben.
Ein anderer periodischer Komet, 8P/Tuttle, nähert sich der Erde. Er hellt im November von anfangs 11. auf 9. Grössenklasse auf, und
ist durch seine Position nahe des Himmelspols die ganze Nacht für Teleskopbesitzer sichtbar.
Alle anderen Kometen sind in diesem Monat lichtschwächer als 11. Grössenklasse oder von der Nordhemisphäre
aus nicht zu beobachten.
Selbst heute noch haben diese eisigen Besucher einen Hauch von Mystik:
Die meisten Kometen erreichen nur einmal die warmen Zonen des inneren
Sonnesystems und sie kommen von weit entfernt, von der Grenze unseres
Sonnensystems. Nach der Vorführung von bis zu einigen Wochen Dauer
verschwinden sie wieder (häufig für immer) in den Tiefen des Weltraums,
brechen vielleicht in Sonnennähe auseinander oder stürzen sogar in die Sonne.
Komet 17P/Holmes
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Walter Gross fotografierte den Kometen 17P/Holmes im Sternbild Perseus am 17. November 2007.
Zur Veranschaulichung der Grösse des Kometen wurde im rechten Bild ein Mondbild einkopiert.
Der Komet 17P/Holmes macht momentan einen Superausbruch durch. Das ansonsten unscheinbare 16-17 mag Objekt ist am 23. Oktober 2007 innert wenigen Stunden auf 2.5 mag Helligkeit angestiegen und war bis Mitte November problemlos von blossem Auge zu sehen.
Der Komet erschien zu Beginn praktisch sternförmig und vergrösserte sich bis Mitte November zur Grösse des Vollmonds. Er liegt unmittelbar beim Hauptstern des Sternbilds Perseus (Mirphak). Wer sich derzeit über der Wolken- oder Nebelgrenze befindet, sollte daher unbedingt einen Blick auf das Sternbild Perseus werfen, denn solche Ereignisse sind äusserst selten. Die Gesamthelligkeit des Kometen wird noch auf 3. Grösse geschätzt, durch seine Grösse stört aber bereits das Mondlicht oder die Lichtverschmutzung, um ihn von blossem Auge zu sehen. Ein Blick durch ein Fernglas oder Teleskop zeigt aber einen runden Nebel, mit einer darin eingebetteten Aufhellung.
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Der Amateurastronom Marco Iten aus dem Tessin hat die Entwicklung des Kometen 17P/Holmes vom 26. Oktober (links) bis am 11. November 2007 (rechts) auf einem Bildmosaik festgehalten. Die Aufnahmen machte er mit einem 10 Zoll Teleskop und einer Olympus E330 Kamera. Beim hellen Stern auf der rechten Bildseite handelt es sich um Mirfak. Weitere Bilder von Marco Iten sind finden Sie hier.
Der Komet befindet sich momentan fast 2/3 weiter entfernt von der Erde als die Sonne. Die Entfernung zur Sonne beträgt 2.5 AE (eine Astronomische Einheit ist die mittlere Distanz Sonne-Erde). Wegen diesen grossen Entfernungen kann kein Kometenschweif gesehen werden. Die äussere Staubhülle des Kometen, also die Wolke aus Gas und Staub, die den Kometenkern umgibt, expandiert mit einer Geschwindigkeit von rund 500 Meter pro Sekunde und hat zur Monatsmitte einen Durchmesser
von etwa 30 Bogenminuten erreicht.
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Peter Heinzen fotografierte den Kometen 17P/Holmes im Sternbild Perseus am 26. Oktober 2007 gegen 22 Uhr MESZ. Diese Foto gibt den zu Beginn des Ausbruchs zu erwartenden Eindruck von blossem Auge gut wieder.
Das Sternbild Perseus steht jetzt abends gegen 20 Uhr MEZ im Nordosten in etwa 45° Höhe. Der Komet befindet sich praktisch oberhalb des hell funkelnden Sterns Capella und unterhalb des bekannten Sternbilds Cassiopeia, dem "Himmels-W".
Zwischen 23 und 1 Uhr in der Früh befindet sich Holmes in unmittelbarer Nähe des Zenits.
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Die Position des Kometen 17P/Holmes im Sternbild Perseus für Oktober und November 2007. Ein Schweif ist wegen der grossen Distanz zur Sonne und Erde nicht sichtbar. Grafik A. Barmettler.
Spektroskopische Analysen zeigen, dass das Licht primär von im Staub der Koma reflektiertem Sonnenlicht stammt. Weiter aussen
wurden auch die für Kometen typischen Gase detektiert.
Der Helligkeitsanstieg kann durch einen explosionsartigen Ausbruch von frischem Material aus dem Kometenkern stammen, oder der
Kometenkern könnte sogar auseinander gebrochen sein.
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Foto und Bearbeitung: Dani Luongo / Markus Griesser, Sternwarte Eschenberg Winterthur.
Daten: 203mm-TMB-Refraktor f/7 mit einer Canon EOS 20Da. 26 kurze Einzelbelichtungen mit einer Gesamtbelichtungszeit von 2 Minuten.
Die Entdeckung des Kometen gelang ebenfalls wegen einem Ausbruch. 1892 wollte E. Holmes von London aus die Andromeda-Galaxie beobachten, fand aber bei der Suche plötzlich ein anderes Objekt im Okular. Wie sich später herausstellte, stand der Komet bereits einen Monat früher in Erdnähe und wurde übersehen. Es liegt daher nahe, dass Holmes den von blossem Auge sichtbaren Kometen nach einem Helligkeitsausbruch entdeckt hatte, wie wir in jetzt gerade erleben dürfen. Im Jahr 1892 blieb der Komet für rund drei Wochen von blossem Auge aus sichtbar. Zwei Monate später kam es zu einem weiteren, aber weniger starken Ausbruch. Bis 2007 verhielt sich der Komet, der in 7 Jahren um die Sonne kreist, ruhig, war also nur sehr schwierig zu beobachten.
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Peter Heinzen fotografierte den Kometen 17P/Holmes am Abend des 28. Oktober 2007. Es ist kein Schweifansatz erkennbar.
Komet 8P/Tuttle
Der Komet 8P/Tuttle ist ein periodischer Komet, der erstmals 1790 beobachtet wurde. Seine Periodizität von 14 Jahren wurde allerdings erst 1858 festgestellt. Die Sonnennähe bringt den Kometen 2007/2008 besonders nahe an die Erde heran: am 1. Januar 2008 beträgt der Abstand zur Erde nur einen Viertel der Entfernung Erde-Sonne. Der Komet erreicht dann voraussichtlich eine Helligkeit von 5.5 Grössenklasse, ist somit von dunklen Standorten aus bereits von blossem Auge als verschwommener Fleck erkennbar.
Im November ist 8P/Tuttle in der Nähe des Himmelspols zu finden. Seine Helligkeit beträgt anfangs 11. Grösse. Am 18. November wechselt er vom Sternbild Kleiner Bär in den Drachen, wo er bis Ende November auf 9. Grösse aufhellt.
Im Laufe des Dezembers gelangt er rasch südlich, durchläuft das Sternbild Kepheus, Kassiopeia und Andromeda. Gegen Jahresende sollte 8P/Tuttle von blossem Auge sichtbar werden, auch ist er nicht mehr zirkumpolar. Am Höchsten steht er jeweils gegen 19 Uhr MEZ.
Im Januar 2008 wird der Komet rasch weniger gut sichtbar für Beobachter in Mitteleuropa. Im Perihel steht 8P/Tuttle am 27. Januar 2008, knapp ausserhalb der Erdbahn. Zu diesem Zeitpunkt ist er nur noch 7. Grösse hell und nur für Beobachter der Südhalbkugel ein lohnendes Objekt.
Begegnung mit Deep-Sky Objekten
Am Vormittag des 23. Dezember zieht der Komet mit 15 Bogenminuten knapp am Emissionsnebel NGC 281 vorbei. Am Tageswechsel 30./31. Dezember 2007 durchläuft der Komet sogar die äussersten Arme bekannten Galaxie Messier 33 (Triangulum-Galaxie) − ein seltenes Fressen für Astrofotografen!
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Komet 8P/Tuttle durchläuft am 30./31. Dezember die Galaxie Messier 33.
8P/Tuttle ist der Ursprungskomet des Ursiden Meteorstroms, dessen Maximum am 22./23. Dezember erreicht wird. Der Strom produziert
im Schnitt rund 10 Sternschnuppen pro Stunde.
Weiterführende Links
Erfahren Sie mehr über Kometen in unserem Astro-Lexikon
Liste der sichtbaren Kometen (CalSky.com)
Aktuelle Ephemeriden von Kometen (CalSky.com)
Sternkarten zum Auffinden von Kometen (CalSky.com)
Kometen in Sonnennähe: SOHO überwacht die Sonnenumgebung (Bilder in rechter Spalte)