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Kompakte, aber dennoch leistungsfähige Teleskope erfreuen sich bei Hobbyastronomen stets großer Beliebtheit. Nicht nur, aber gerade bei Urlaubsreisen sind kompakte Abmessungen und Robustheit neben der optischen Qualität Grundanforderungen an ein gutes Teleskop. In diesem Artikel stelle ich ein russisches Maksutov-Cassegrain, das MTO 11 CA, vor, das unter dem Kosenamen „Russentonne“ bekannt und beliebt ist.
Achtung: Nach Auskunft von Fachhändlern wird das beschriebene Gerät in Russland nicht mehr produziert, ein Nachfolgemodell befindet sich in der Entwicklung. Das MTO 11 CA gibt es derzeit leider nur als Gebrauchtgerät zu erwerben.
Die Russentonne ist ein Maksutov-Cassegrain-System mit 100 Millimetern Öffnung und 1000 Millimetern Brennweite. Das Öffnungsverhältnis beträgt f/10. Das Gerät wiegt ohne Zubehör ca. 1,8 kg.
Das folgende Foto zeigt eine Gesamtansicht der Russentonne in der Konfiguration für die Astrofotografie:
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Die Russentonne ist von der Konstruktion her ein Spiegelteleobjektiv. Dies wird auf den ersten Blick daran deutlich, dass man die Optik zur Fokussierung am Aussenring analog zu manuell zu fokussierenden Kameraobjektiven mit Bajonett drehen muss. Im Gegensatz zu heute gängigen Teleobjektiven hat die Russentonne kein kameraspezifisches Bajonett. Dies hat den immensen Vorteil, dass mit preiswerten Adaptern eine große Palette von Teleskopzubehör angeschlossen werden kann.
Je nach Zulieferant muss für die astronomische Beobachtung eine kleine, aber wichtige Anpassung vorgenommen werden: Die Schraube, die eine Drehung des Fokussierringes über die Unendlich-Marke hinaus verhindert, muss entfernt werden, damit auch bei der Verwendung astronomischer Okulare fokussiert werden kann. Hierfür muss der Fokus der Optik ausserhalb des optischen Tubus liegen, dies wird erst durch die Anpassung ermöglicht. Einige Zulieferanten nehmen diese Arbeit bereits vor der Auslieferung vor.
Die Taukappe ist ohne starken Widerstand ausziehbar. Diese Lösung erhöht die Kompaktheit des Gerätes, insbesondere beim Transport.
Die Russentonne ist eine der mechanisch stabilsten und anspruchsvollsten Optiken, die ich kenne. Bereits beim ersten Anheben fällt das relativ hohe Gewicht und die solide Verarbeitung aus Metall auf. Bei den wesentlichen Bauelementen sucht man primitive Plastikteile vergeblich.
Die überdurchschnittliche Robustheit der Russentonne wird durch eine persönliche Erfahrung deutlich. Als ein Trageriemen der Transporttasche riss, fiel das Gerät, nur durch eine dünne Stofftasche und eine mit Luftblasen durchsetzte Plastikfolie geschützt, aus Gürtelhöhe nahezu ungebremst auf harten Betonboden. Das Gerät hat den Aufprall unbeschadet überstanden. Solche „Tests“ werden bei Neuanschaffungen jedoch keinesfalls zur Nachahmung empfohlen... Trotz der Robustheit der Optik sollte das Gerät niemals leichtfertig geschützt transportiert werden.
Die Montage auf ein Fotostativ erfolgt wahlweise über die gewohnten Stativschrauben oder über die etwas größeren Gewinde, die man bei professionellen Fotostativen für starke Teleobjektive findet. Die Stativschrauben sind mit Schrauben sehr robust am Tubus befestigt, das folgende Foto verdeutlicht diese Lösung mit zwei Schraubgewinden:
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Diese Schrauben ermöglichen eine absolut steife Verbindung von Optik und Stativ.
Einigen Berichten zufolge kann Spiel auftreten, wenn der Fokussierring häufig hin- und hergedreht wird. Diese Erfahrung habe ich an meinem Gerät nicht gemacht.
Das MTO 11 CA ist ein klassischer Maksutov-Cassegrain. Der Fangspiegel ist auf der Innenseite der Meniskuslinse aufgedampft. Diese Konstruktion reduziert die Beugungserscheinungen auf ein Minimum, was sich positiv auf die Bildqualität auswirkt.
Der Tubus enthält Streulichtblenden, die das Streulicht effektiv unterdrücken und den Kontrast der Abbildung erhöhen.
Am hinteren Tubusende findet sich eine kleine Linse, die das Gerät abdichtet. Diese Linse dient der Bildfeldebnung bei fotografischen Anwendungen, analog zur Hinterlinse bei anderen Kameraobjektiven. Diese Linse verlängert gleichzeitig die Brennweite der Optik auf die Nominalbrennweite von 1000 Millimetern. Ohne Hinterlinse hätte das System eine Brennweite von ca. 700 bis 800 Millimetern, die Literaturangaben sind hier nicht eindeutig.
Bei meinem Exemplar befanden sich bei der Auslieferung kleine Staubkörner auf der Innenseite der Meniskuslinse, die jedoch auch bei hohen Vergrößerungen keinen erkennbaren Einfluss auf die Abbildungsqualität haben. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Russentonnen nicht staubdicht sind. Sie sollten also unbedingt in der meist mitgelieferten Transporttasche aufbewahrt werden.
Im Auslieferungszustand sind die Hauptspiegel der Russentonnen häufig verspannt. Einige Händler liefern Geräte erst aus, nachdem sie diesen Fehler beseitigt haben. Mit etwas Geschick kann man das auch selber machen, eine Anleitung hierzu würde über den Rahmen dieses Erfahrungsberichtes hinausgehen.
Es empfiehlt sich, die Russentonne zur Beobachtung und Fotografie auf ein Fotostativ zu schrauben oder eine GoTo-Montierung (!) mit Fotostativgewinde zu verwenden.
Hierbei zeigt sich einer der wenigen Schwachpunkte der Russentonne: Da es sich nicht um ein astronomisches Teleskop, sondern um ein Teleobjektiv handelt, fehlt ihr in der Grundausstattung jede Möglichkeit, das Gerät grob auf bestimmte Himmelsobjekte auszurichten. Ein Sucherfernrohr oder Peilsucher, Telrad etc. sind nicht vorhanden. Man findet auf dem hinteren Gehäuseteil lediglich einen kleinen Peiler von der Größe einer Kugelschreiberspitze (siehe folgendes Foto).
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Den Mond und die Sonne (mit Objektivfilter!) findet man bei ca. 40-facher Vergrößerung problemlos. Das Aufsuchen der Planeten gestaltet sich ohne eine GoTo-Montierung mit automatischer Objekteinstellung oder wenigstens eine genau ausgerichteten parallaktischen Montierung mit präzisen Teilkreisen als Geduldsspiel: Selbst bei geringen Vergrößerungen von 30- bis 40-fach ist es nahezu unmöglich, mit einem einfachen Fotostativ Planeten oder Deep-Sky-Objekte einzustellen, von einer guten Zentrierung im Bildfeld ganz zu schweigen.
Ein Fotostativ mit Feinbewegungen oder eine azimutale Montierung bringen keine Erleichterung: das Abfahren der betreffenden Region ist sehr mühsam und zeitaufwändig. Je nach Konstruktion der Griffe für die Feinbewegung kann das schnell zu Blasen an den Händen führen.
Sofern man kein Sucherfernrohr oder eine Peilvorrichtung nachrüstet, sollte eine Russentonne entweder mit einer parallaktischen Montierung mit Teilkreisen oder einer GoTo-Montierung betrieben werden, sofern kleine oder lichtschwache Objekte beobachtet werden sollen.
Der Fokussierring ist verglichen mit modernen Kameraobjektiven relativ schwergängig. Das ermöglicht eine sehr genaue und vor allem stabile Fokussierung. Ausserdem lässt sich Zubehör (Fokussierhilfen wie die Scheinerblende oder Objektivsonnenfilter) vorsichtig aufsetzen und entfernen, ohne dass man Gefahr laufen muss, hierbei den Fokus zu verstellen. Ein einmal eingestellter Fokus bleibt stabil.
Durch die Fokussierung via Drehung des Fokussierringes kann das rückwärtige Ende der Optik mit relativ schwerem Zubehör beladen werden, ohne dass durch ein Abkippen eines Okularauszuges der Fokus verstellt wird.
Für die visuelle Beobachtung müssen Okulare und ggf. ein Zenitprisma an der Russentonne befestigt werden. Hierfür wird ein Adapter benötigt, der objektivseitig ein M42-Gewinde aufweist und okularseitig eine Steckhülse für 1 ¼’’ bzw. 2’’-Zubehör hat. Solche Adapter sind für wenig Geld bei Zubehörhändlern erhältlich.
Möchte man regelmässig mit der Russentonne arbeiten oder sie gar als Haupt-Arbeitsgerät nutzen, empfiehlt sich die Anschaffung eines Sucherfernrohres oder einer Peilhilfe. Letztere kann man mit etwas Geschick selbst basteln und vorzugsweise am hinteren Ende der Optik befestigen. Die Anbringung von Sucherfernrohren ist problematisch, da diese mit rohrschellenartigen Vorrichtungen befestigt werden müssen.
Bei der visuellen Beobachtung zeigt die Russentonne eine nahezu unübertroffene Schärfeleistung. Anhand einiger Beispiele möchte ich die enormen Möglichkeiten und Grenzen bei der visuellen Beobachtung erläutern.
An detaillierten Objekten wie dem Mond kann die Russentonne ihre Stärken voll ausspielen. Das Bild ist auch bei 200-facher Vergrößerung knackscharf. Die einzigen erkennbaren Unschärfen sind atmosphärisch bedingt. Unter Idealbedingungen kann man mit Sicherheit auch etwas über die maximal sinnvolle Vergrößerung von 200-fach bei 10 Zentimetern Öffnung hinausgehen. Leider hatte ich noch keine entsprechenden atmosphärischen Bedingungen, um hier die Grenzen auszutesten.
Die meisten Erfahrungsberichte schreiben von einem geringen, aber merklichen Schärfeabfall ab 150-facher Vergrößerung. Diesen Befund kann ich an meinem Exemplar nicht nachvollziehen. Möglicherweise gibt es eine Streuung in der Qualität zwischen den einzelnen Geräten.
Am Terminator erkennt man eine Fülle von Details bis an die theoretische Grenze des Auflösungsvermögens. Die Qualität der Optiken scheint einer beugungsbegrenzten Optik recht nahe zu kommen. Der Mondrand hebt sich selbst bei 200-facher Vergrößerung messerscharf und ohne den kleinsten diffusen Saum gegen den schwarzen Himmelshintergrund ab. Es zeigen sich viele seichte Erhebungen am Mondrand, die auch für den Diamantring bei einer Sonnenfinsternis verantwortlich sind. Die Bildschärfe und Auflösung bewegt sich annähernd auf dem Niveau eines guten Refraktors gleicher Öffnung. Der Kontrast ist jedoch wie bei jedem Spiegelteleskop naturgemäß geringer.
Allerdings ist die Abbildung verglichen mit anderen Reflektoren recht kontrastarm. Vergleichsbeobachtungen mit einem Celestron C90 Maksutov (90 Millimeter Öffnung, 1000 Millimeter Brennweite) zeigen eine vergleichbare Bildschärfe. Mit dem C90 erkennt man jedoch beispielsweise schwache, sternförmige Spitzen von Bergen, an deren Gipfeln gerade die Sonne aufgeht, viel deutlicher als mit der Russentonne.
Bei Mars zeigt sich im Wesentlichen das gleiche Bild wie beim Mond. Das Planetenscheibchen ist gestochen scharf. Durch den geringen Kontrast erkennt man Albedostrukturen nur sehr schwer und nur unter guten Bedingungen.
Der Doppelstern Albireo (Beta Cygni) zeigt deutlich das berühmte orange-grüne Farbschema. Die Sterne sind auch bei hohen Vergrößerung absolut punktförmig.
Für die Fokalfotografie mit den Russentonnen wird ein kameraspezifischer M42-Adapter (erhältlich bei Zubehörhändlern) benötigt, der direkt an das M42-Gewinde der Kamera geschraubt wird. Viele moderne Kameras passen aufgrund des Handgriffes nicht direkt an das Objektiv. Auch hierfür kann man Zwischenringe erwerben, die an das Gerät geschraubt werden und kameraseitig einen Anschluss für T2-Ringe besitzen, an die die Kamera angesetzt wird. Bei einigen Händlern wird bereits bei der Auslieferung eine Verlängerungshülse angebracht, an die jede Spiegelreflexkamera via M42-Adapter angesetzt werden kann.
Das folgende Foto zeigt eine Fokalaufnahme des Mondes, aufgenommen mit der Russentonne:
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Die afokale Fotografie durch das Okular mit digitalen Sucherkameras („Digicams“) funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie bei anderen Teleskoptypen.
Selbstverständlich lassen sich an Russentonnen auch Webcams und Projektionsadapter für die Okularprojektion anschließen.
Mit der Russentonne erhält man ein mechanisch äusserst solides und optisch gutes Gerät für die visuelle Beobachtung und Astrofotografie. Sie eignet sich hervorragend als Zweit- und Reiseteleskop. Je nach Anspruch und Beobachtungszielen taugt der Maksutov sogar als Haupt-Arbeitsgerät. Aus finanzieller Sicht stellen sie ein echtes Schnäppchen dar. Allerdings wird es bei einer Erstanschaffung schnell teuer, wenn man Zubehör (Okular, Zenitprisma etc.), das bei anderen Teleskopen im Preis enthalten ist, zukaufen muss. Die Anschaffung einer Russentonne ist in jedem Fall eine Überlegung Wert.
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