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Mit Spannung wurde Anfang 2007 der Periheldurchgang des Kometen C/2006 P1 McNaught erwartet. Er flog am 12. Januar 2007 in weniger als einem Sechstel der Distanz Erde-Sonne an der Sonne vorbei. Um dieses Ereignis war der Komet jeweils kurz in der Dämmerung von Mitteleuropa aus von blossem Auge sichtbar. Der Komet wurde wegen der Sonnennähe noch aktiver und dadurch noch heller; er entwickelte sich zum hellsten Kometen seit Komet Ikeya-Seki im Jahr 1965 und war sogar tagsüber mit einem kurzen, nur 0.5° langen Schweif neben der Sonne sichtbar. Er zog rasch südwärts und verschwand eine Woche nach Periheldurchgang vom mitteleuropäischen Himmel. Für Bewohner der Südhemisphäre fing dann das Schauspiel erst richtig an: Mit zunehmender Elongation stand der Komet mit 30° langem Schweif am Himmel und war auch für astronomische Laien bis Anfang Februar ein auffälliges Objekt.
Der Komet C/2006 P1 (McNaught) wurde am 7. August 2006 vom erfolgreichen Kometenjäger Robert McNaught auf CCD-Aufnahmen entdeckt. Er gab damals als Helligkeit 17.3 Grössenklassen an. Der hyperbolischen Orbit führte Komet McNaught bis innerhalb der Merkurbahn an die Sonne heran, und der Abstand zur Erde betrug minimal 0.8 Astronomische Einheiten. Nach dem Perihel fliegt der Komet aus dem Sonnensystem. Im Herbst 2006 war die Beobachtung des Kometen schwierig, weil er ungünstig nahe bei der Sonne stand und nicht heller als 12-14. Grössenklasse war. Im November und Dezember war er längere Zeit praktisch nicht zu beobachten. Erst Ende Dezember konnten vertrauenswürdige Helligkeitsmessungen durchgeführt werden.
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Der von R. H. McNaught entdeckte Komet C/2006 P1 hellte über den Jahreswechsel 2006/7 auf und erreichte in der ersten Januarwoche bereits Helligkeiten um -1. Grössenklasse − aber bei einer nur sehr geringen Elongation von unserem Tagesgestirn. Dies war die beste Zeit für Beobachtungen von Mitteleuropa aus, wären da nicht die vielen Wolken gewesen. Für viele Beobachter in Europa war diese Phase frustrierend; der Autor beispielsweise brauchte sechs Versuche um den Kometen endlich in der hellen Dämmerung sehen zu können.
Der Komet flog dann am 12. Januar 2007 in nur 0.17 Astronomischen Einheiten (Abstand Erde-Sonne) an der Sonne vorbei. Er überlebte diesen nahen Vorbeiflug. Dies war nicht nur anhand von Aufnahmen des Sonnensatelliten SOHO zu beobachten, sondern sogar von blossem Auge am Taghimmel zu verfolgen. Nach dem Periheldurchgang wurde der Komet aktiver und schien sogar noch heller als Venus. Teilweise schätzten Beobachter eine Helligkeit von -6. Grösse! In Mitteleuropa reichte es, die Sonne durch einen Kamin abzudecken und der Komet war, inklusive einem kurzen, rund einen Monddurchmesser langen Schweif, neben der Sonne erkennbar.
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Von Mitteleuropa aus konnte der Komet an den Tagen um den Perihel sowohl morgens wie auch abends in der hellen Dämmerung beobachtet werden - leider erreichte McNaught in der hellen bürgerlichen Dämmerung nur eine geringe Höhe über Horizont (um 5°) und war deshalb kein atemberaubendes Fotosujet. Aber bereits Laien fiel der Komet McNaught in der Abenddämmerung auf: von der Helligkeit her war er ähnlich eines Kondensstreifens weit entfernter Flugzeuge, zeigte aber eine deutliche Auffächerung des Schweifes. In den folgenden Tagen stand McNaught um die Mittagszeit noch einige Tage nach dem Perihel unterhalb der Sonne, war aber nur bei guten und klaren Luftverhältnissen von blossem Auge zu sehen. Solche Tage waren in Mitteleuropa an diesen Tagen leider ausgesprochene Mangelware.
Anders sah dies aus für Bewohner der Südhalbkugel der Erde. Da der Komet nach dem Perihel rasch gegen Süden wanderte, konnten nur noch Beobachter von der Südhalbkugel einen überaus hellen und spektakulären Kometen am dunklen Himmel erleben. Der Staubschweif konnte über eine Länge von bis zu 30° am Himmel verfolgt werden.
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Aber auch von Südeuropa aus konnte teilweise noch erahnt werden, was uns entging: der Staubschweif von McNaught war nämlich so lang, dass Teile auch in Mitteleuropa bei ausgezeichnetem Wetter am Abendhimmel sichtbar gewesen wären, obwohl der Kometenkern selber nicht mehr über den Horizont reichte. Um diese strahlenförmige Lichtaufhellungen am Himmel aber sehen zu können bedurfte es eines ganz dunklen Himmels, fernab von der Lichtverschmutzung der Städte (die Schweif-Strahlen waren etwas heller als das Zodiakallicht). Mit dem Fernglas konnten strahlenförmige Lichtaufhellungen ausgemacht werden.
Astronomen erklärten dieses Phänomen mit dem auf unterschiedlich grosse Teilchen verschieden stark wirkenden Strahlungsdruck der Sonne: leichtere Teilchen werden von der Sonne weg transportiert, während die schwereren Teilchen näher am urspünglichen Kometenorbit blieben. Aktivitätsausbrüche im Kometenkern führten dann zu dieser beobachteten strahlenförmigen Struktur, statt eines weit aufgefächerten Staubschweifs.
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Gegen Ende Januar 2007 nahm die Helligkeit von Komet McNaught bereits wieder bis auf 2.5-3.5 Grössenklasse ab. Im Laufe des Aprils dürfte er auch aus dem Sichtbarkeitsbereich von Fernglässer verschwinden, und ab Juni wird er sich bis auf weniger als 11. Grössenklassen abgeschwächt haben. Im Dezember 2007 befindet er sich bereits wieder weiter von der Sonne entfernt als Jupiter.
Im Jahr 2006 ging man davon aus, dass Komet McNaught vielleicht bis 1. Grössenklasse erreichen würde. Er wäre damit nur von abgelegenen Orten aus ein eindrückliches Objekt geworden. Erst zum Jahreswechsel kam er für Beobachter in eine günstigere Position und neue Helligkeitsschätzungen gaben den Optimisten Aufwind. Rasch hellte der Komet weiter auf und machte bald sogar dem Abendstern Venus Konkurrenz. Zahlreiche Beobachter schätzten um die Tage des Perihels die Helligkeit von C/2006 P1 auf heller als Venus, einige sogar auf -6 Grössenklassen.
Mit grafisch aufgetragen Helligkeitswerten ist der Helligkeitssprung unmittelbar nach dem Periheldurchgang deutlich sichtbar. Durch die gesteigerte Aktivität hellte McNaught gut 2 Grössenklassen auf. Er behielt diese erhöhte Aktivität nach dem Periheldurchgang auch noch längere Zeit bei. Die Differenz zwischen zwei von uns berechneten Helligkeitsmodellen für vor und nach dem Perihel zeigt den Unterschied deutlich. Den Beobachtungen und dem Modell nach war McNaught noch im Februar von blossem Auge sichtbar, wenn auch nur von dunklen Orten aus. Im April 2007 ist der Komet noch ein Objekt für Ferngläser und kleinere Teleskope − natürlich nur für Beobachter auf der Südhalbkugel.
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Kometen - besser gesagt ihre Kerne - können als schmutzige Schneebälle bezeichnet werden. Sie bestehen aus verschiedenen gefrorenen, leicht flüchtigen Stoffen wie Wassereis, Trockeneis, Ammoniakeis und Kohlenwasserstoffen vermischt mit Gesteinspartikeln. Diese ein paar wenige Kilometer im Durchmesser grossen Körper stammen noch aus der Entstehungszeit des Sonnensystems. Billionen solcher schmutziger Schneebälle kreisen in sehr grosser Entfernung um die Sonne. Ein paar wenige Kometenkerne wurden durch eine Störung auf eine lang gestreckte Ellipsenbahn um die Sonne gezwungen. Diese Bahn bringt sie nun so nahe an die Sonne wie es die Erde ist oder sogar noch näher. Bei der Annäherung an die Sonne beginnen die gefrorenen Stoffe wie Wasser, Trockeneis und Ammoniak zu verdampfen. Um den Kometenkern bildet sich eine dünne Gashülle, die als Koma bezeichnet wird. Diese Koma kann je nach Menge der vom Kern ausgestossenen Gase ein paar 10'000 bis ein paar 100'000 Kilometer gross werden. Zum Vergleich: Der Mond umkreist die Erde in ca. 400'000 km Entfernung.
Nähert sich der Komet weiter der Sonne und produziert er genug Gas, wird die Gashülle durch den Sonnenwind - ein dauernder von der Sonne ausgehender Strom geladener Teilchen wie Elektronen und Protonen - deformiert. Es bildet sich schliesslich ein blaugrün fluoreszierender Gasschweif, der stets von der Sonne weg gerichtet ist. Der Gasschweif wird auch als Ionenschweif bezeichnet, da die Gasmoleküle vom UV-Licht der Sonne ionisiert werden.
Die festen Bestandteile eines Kometen - also Staub und kleine Gesteinskörner - werden durch die Verdampfung des Kometenkerns auch freigesetzt. Der dadurch entstehende Staubschweif von der Sonne ist ebenfalls von der Sonne weggerichtet. Die Staubkörner reagieren träge auf den Lichtdruck der Sonne. Je schwerer das Staubkorn ist, desto langsamer wird es aus der Koma weggestossen. Dadurch werden schwere von leichten Teilchen getrennt. Der Staubschweif erscheint deshalb weiter aufgefächert als der Gasschweif. Ausserdem ist er gekrümmt, da sich die Staubteilchen wesentlich langsamer vom Kometen weg bewegen, als die Gasteilchen. Bei grossen Kometen wie Hale-Bopp oder McNaught kann der Schweif bis zu 100 Mio. km verfolgt werden, bei alltäglicheren Kometen wie C/1999 S4 (LINEAR) sind es aber dennoch etliche Millionen Kilometer.
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