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Planeten im September 2006

Jupiter kann noch in den Abendstunden beobachtet werden, seine Abendsichtbarkeit nähert sich dem Ende zu. In der Morgendämmerung erscheint Saturn im Osten, während die helle Venus nur wenig über dem Osthorizont steht. Merkur und Mars sind in diesem Monat ohne Hilfsmittel nicht zu sehen. Im August hat sich unser Planetensystem, wie wir es in der Schule gelernt haben, verändert: neu umfasst das Sonnensystem nur noch 8 Planeten, Pluto wurde gemeinsam mit dem grössten Asteroiden Ceres und 2003 UB313 in die neue Klasse 'Zwergplaneten' verbannt.

Das neue Planetensystem

In der Antike war mit Planet ein wandernder, d.h. im Laufe der Tage merklich seine Position zu den Fixsternen ändernder Stern gemeint. Damals waren Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn bekannt. Genau genommen müsste man nach der antiken Definition auch die Sonne und der Mond mitzählen.

Nach der Erfindung des Fernrohrs (um 1608) entdeckte William Herschel am 13. März 1781 den siebten Planeten unseres Sonnensystems: Uranus, der außerhalb des Saturns die Sonne umkreist. Am 1. Januar 1801 entdeckte Giuseppe Piazzi die Ceres, die nur mit kleinen Teleskopen beobachtbare Ceres. Kurz darauf gab es weitere Entdeckungen von ähnlichen Objekten zwischen Mars und Jupiter. So dass im Jahre 1846, als Johann Gottfried Galle am 23. September den ausserhalb Uranus kreisenden Neptun die Anzahl Planeten auf 13 angestiegen war. Weil sich die Neuentdeckungen von Objekten zwischen der Mars- und Jupiterbahn nach der Neptunentdeckung zu sehr häuften und die Objekte zwischen Mars und Jupiter um Grössenordnungen kleiner waren als alle klassischen Planeten wurde diesen der Planetenstatus wieder aberkannt. Nur noch Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun galten als Planeten.

Am 13. März 1930 entdeckte Clyde W. Tombaugh ein Objekt, das sich meistens ausserhalb der Neptunbahn befindet, den Pluto. Da zuerst seine Grösse überschätzt wurde, sah man in ihm bis zum Jahre 2006 den 9. Planeten. Es zeigte sich jedoch Ende des 20. Jahrhunderts, dass er nur ein Objekt unter vielen ist, die sich (meist) ausserhalb der Neptunbahn befinden. Als mit 2003 UB313 sogar ein Objekt ausserhalb der Neptunbahn gefunden wurde, das größer ist als Pluto selbst, musste der Begriff Planet neu definiert werden. So wurde im Entschluss der Internationalen Astronomischen Union IAU vom 24. August 2006 der Begriff Planet so formuliert, dass nur noch Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun als Planeten gelten.

Auf der 26. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Prag wurde am 24. August 2006 wie folgt definiert:

Demnach ist ein Himmelskörper ein Planet, wenn er …
  • … sich auf einer Bahn um die Sonne befindet und
  • … über eine ausreichende Masse verfügt, um durch seine Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden und
  • … die Umgebung seiner Bahn bereinigt hat und
  • … kein Mond ist.
Ein Himmelskörper ist ein Zwergplanet, wenn er …
  • … sich auf einer Bahn um die Sonne befindet und
  • … über eine ausreichende Masse verfügt, um durch seine Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden und
  • … die Umgebung seiner Bahn nicht bereinigt hat (d.h. kaum weitere Körper auf einer sehr änlichen Umlaufbahn vorkommen) und
  • … kein Mond ist.

Demnach ist Pluto nun ein Zwergplanet, ebenso wie Ceres und 2003 UB313.

Lesen Sie hier, wie es zu dieser Definition kam.

Roland Brodbeck


Jupiter

Hell bis zum Untergang in den Abendstunden

Die Grafik zeigt die Höhe von Jupiter über Horizont zum Ende der nautischen Dämmerung (Sonnenhöhe -12°) aufgetragen relativ zur Himmelsrichtung. Noch im September kann Jupiter abends in der nautischen Dämmerung gesehen werden. © CalSKY / A. Barmettler.
Abendsichtbarkeit 2006 von Jupiter
Ansicht von Jupiter − laufend aktualisiert. © CalSKY / A. Barmettler.
Jupiter, aktuelle Ansicht

Jupiter steht in diesem Monat beim Eindunkeln nur noch wenig über Horizont. Dieser Monat bietet die letzten Gelegenheiten den Gasplaneten Jupiter in diesem Jahr noch am Abendhimmel zu bestaunen, bevor er in der Helligkeit der Abenddämmerung verschwindet. Der Blick durch das Teleskop bei Sternwartenführungen zeigt Wolkenbänder und, falls gerade günstig gelegen, auch den Grossen Roten Fleck. Bereits im Fernglas können die vier hellsten Monde von Jupiter beobachtet werden.

Stellung der Jupitermonde

Aktuelle Stellung der Jupitermonde, © CalSKY.com.

Die Beobachtung von Schattenspielen der vier grössten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto ist bereits in einem kleinen astronomischen Teleskop möglich, und die Stellung der vier Jupitermonde um Jupiter bereits im Fernglas sichtbar.

Saturn

Morgenhimmel

Simulierte Ansicht von Saturn − laufend aktualisiert © CalSKY / A. Barmettler.
Saturn, aktuelle Ansicht

Letzten Monat stand der Ringplanet Saturn in Konjunktion mit der Sonne. Seither hat er sich zum Monatsbeginn bereits wieder um 20° von der Sonne entfernt und geht 2 Stunden vor der Sonne auf, zum Monatende beträgt die Elongation von der Sonne 45° und bei Beginn der nautischen Morgendämmerung steht Saturn schon fast 30° hoch über dem Osthorizont. Ein frühmorgendlicher Blick durch das Teleskop zeigt das Ringsystem deutlich weniger weit geöffnet − die Ringneigung bezüglich der Erde beträgt noch 13°. In genau drei Jahren wird Saturn für eine kurze Zeit als stark abgeplattetes Planetenscheibchen ohne Ringe erscheinen − die geschieht wenn wir von der Erde direkt von der Seite auf die dünnen Ringe schauen, oder die Sonne direkt die Ringebene durchstösst, dann sind die Ringe nicht beleuchtet und fallen deswegen nicht auf.

Am 19. September steht der Mond gegen 4.30 MESZ links oberhalb des Ringplaneten − der Abstand beträgt dann nur drei Monddurchmesser.



Venus

In der Morgendämmerung knapp über Horizont

Simulation des Venusanblicks. © CalSKY / A. Barmettler.
Venus, aktuelle Ansicht
Venus taucht anfangs ½ Stunden vor Sonnenaufgang im Osten auf, Ende Monat nur noch 45 Minuten vor der Sonne. Die Grafik zeigt die Höhe über Horizont, unter Angabe des Azimuts zum Zeitpunkt der bürgerlichen Dämmerung. © CalSKY / A. Barmettler.
Morgensichtbarkeit Anfang 2006 von Venus

Anfang Monat geht Venus noch 1½ Stunden vor Sonnenaufgang auf, Ende Monat verringert sich dieses Zeitinterval auf 45 Minuten − die Sichtbarkeitbedingungen für die Beobachtung unseres inneren Nachbarplaneten werden also rasch schlechter. Etwas Abhilfe schafft, dass Venus weiterhin mit fast -4 Grössenklassen hell strahlt. Am 21. September steht die schmale Mondsichel hübsch bei Venus.

Bis zur oberen Konjunktion am 27. Oktober entfernt sich Venus laufend von der Erde. Im Teleskop erscheint die Scheibe von Venus praktisch bereits jetzt als Vollvenus.



Mars und Merkur

Nahe bei der Sonne

Die beiden Planeten stehen zwar noch in der Abenddämmerung, sind aber zu nahe bei der Sonne und zu lichtschwach, um aufzufallen. Am 15. September stehen die beiden Planeten nahe beieinander. Vor 21 Uhr, also nur eine Stunde nach deren Untergang, trennen Merkur und Mars nur 8.5 Bogenminuten, also etwa 1/3 Monddurchmesser. Mit Fernglass oder Teleskop ausgestattete Beobachter können versuchen, die beiden Planeten in der frühen Abenddämmerung kurz vor deren Untergang zu finden.



Uranus, Neptun

Ganze Nacht sichtbar

Die beiden äusseren Gasplaneten erreichen bei Kulmination um Mitternacht nur eine geringe Höhe: Uranus immerhin 30°, Neptun gegen 23 Uhr nur 20°. Zum Beobachten der beiden neuerdings äussersten Planeten des Sonnensystems reicht bereits die Hilfe eines Fernglasses oder Teleskops und einer Sternkarte.



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30.08.2006 14:32 Uhr, Arnold Barmettler

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