Abseits von Städten fällt sofort das schwach schimmernde Band der
Milchstrasse hoch am Himmel auf. Es zieht sich von Nordosten von der Cassiopeia üben den Zenit
durch das Sommerdreieck und bis an den Südhorizont mit den südlichsten
Sternbilder der Ekliptik, Skorpion und Schütze.
Spaziergang am Himmel
Die Sommermilchstrasse von 1996. Der helle Stern ist der Planet Jupiter. Er befand sich 1996 im Sternbild Schütze. © R. Brodbeck.

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Die Milchstrasse verläuft im August vom Südhorizont her kommend steil in die Höhe.
In einer richtig dunklen Nacht in den Bergen hat man manchmal den Eindruck,
dass die Milchstrasse eine Aneinanderreihung schwach schimmernder Wolken sei.
Wenn man jedoch genauer hinsieht, erkennt man zwei parallel laufende Bänder,
die sich erst hoch über unseren Köpfen vereinigen.
Woher kommt diese Aufspaltung der Milchstrasse?
Die Milchstrasse kann man sich als diskusförmige Ansammlung
aus über 100 Milliarden Sonnen vorstellen. Wir befinden uns auf halben
Weg vom Zentrum zum Rand. Bestünde der Diskus nur aus Sonnen (=Sterne),
so gäbe es keinen Spalt. Der Raum zwischen den Sternen ist nicht
völlig leer. Er enthält auch Staub und Gas. Dieser ist nun nicht
regelmässig verteilt, sondern verdickt sich in den Spiralarmen der
Milchstrasse. Im Sommer blicken wir an die Aussenwand des nächst
inneren gelegenen Spiralarms (Saggitarius-Arm). Seine dunklen Staub- und Gaswolken
verdecken uns die Sicht. Nur über und unter den dunklen Wolken
können wir noch etwas von unserer Galaxie sehen.
Dort wo die Teilung der Milchstrasse hoch über uns endet,
blicken wir nicht mehr an den Saggitarius-Arm, sondern streifend an ihm vorbei.
In der Sternkarte sind die Gebiete auffälliger
Sternansammlungen, die offenen Sternhaufen, mit gepunkteten kleinen Kreisen dargestellt.
Antares, der Riese im Skorpion
Tief am Südhorizont funkelt auffällig ein heller rötlicher Stern. Es ist Antares im Skorpion. Das Funkeln ist nicht etwa eine Eigenschaft von Antares, sondern wird - wie bei den anderen Sternen auch - von der Erdatmosphäre verursacht. Turbulenzen in der Luft brechen das Licht in ständig wechselnder Weise. Da in mitteleuropäischen Breiten Antares eher tief am Horizont steht, hat sein Licht einen längeren Weg durch die Atmosphäre als das Licht eines Sterns, der hoch über uns steht.
Die Entfernung von Antares wurde vom Satelliten HIPPARCHOS zu 600 Lichtjahren bestimmt. Ausserdem gehört Antares zu den wenigen fernen Sonnen, die von den besten Instrumenten der Welt als Scheibchen und nicht bloss als Punkt gesehen werden können. Sein scheinbarer Winkeldurchmesser am Himmel beträgt 0.04 Bogensekunden. Zusammen mit der Distanz lässt sich so die Grösse dieser fernen Sonne direkt bestimmen. Man erhält über eine Milliarde Kilometer Durchmesser (Durchmesser der Erdbahn: 300 Mio. km). Stünde Antares an der Stelle der Sonne, würde er bis an die Jupiterbahn reichen. Antares hat mit 3300°C eine kühlere Oberfläche als unsere Sonne (5700°C). Deshalb strahlt er fast achtmal weniger Energie pro Quadratmeter seiner Oberfläche ab als unser Tagesgestirn. Dies wird aber durch die 600'000 mal grössere Oberfläche von Antares mehr als ausgeglichen, so dass er so viel Energie in den Weltraum strahlt wie 80'000 Sonnen.