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Eine Sternschnuppe ist vielleicht das romantischste, was man am Sternenhimmel kennt. Eine grosse Feuerkugel wie 2002 über Südbayern/Tirol wirkt bereits angsteinflössend. Wird die "Sternschnuppe" noch grösser kann es lebensgefährlich werden. Die Gefahr aus dem Weltraum ist längst mehr als ein grusliges Gedankenspiel mit wenig Realitätsbezug. Gewaltige, durch Körper aus dem Weltraum verursachte Explosionen fanden auch in geschichtlicher Zeit statt. |
Am 6. April 2002 herrschte über weiten Teilen von Süddeutschland, der Schweiz und Österreich am Abend klare Sicht. Vom Bodenseeraum aus konnte ich gegen Osten relativ horizontnah eine Feuerkugel sehen. Sie tauchte auf, strebte auf den Horizont zu, zerbrach in wenige Teile, die noch über ein kurzes Stück zu sehen war. Alles dauerte nur wenige Sekunden. Für Leute in der Nähe musste das Meteor weitaus eindrücklicher gewesen sein, denn die Polizei verzeichnete zahlreiche Anrufe aufgeschreckter Leute. Dank verschiedener Fotos des europäischen Feuerkugelnetzes konnte die Bahn vermessen werden, so dass man die Einschlagstellen so genau voraussagen konnte, dass sich eine gezielte Suche nach Bruchstücken erfolgreich zeigte. Man fand Meteorite (einer im August 2002, ein weiterer, 10 cm grosser am 27. Mai 2003) in der Umgebung des Schlosses Neuschwanstein, was dem Ereignis den Namen "Neuschwanstein-Meteorit" eintrug.
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| Esplosion eines Asteroiden/Kometen einige km über dem Boden. Gemälde © William K. Hartmann (Quelle). |
Vor 2200 Jahren spielte sich etwas ähnliches ab; nur ein paar Grössenordnungen stärker. Die Römer berichteten von einem hellen Aufleuchten Richtung Norden. Das Himmelsereignis fand im (heutigen) Chiemgau (Bayern) statt. Allerdings wurde die Gegend von einem im Vergleich zum Neuschwanstein-Ereignis ungleich schwereren Brocken getroffen: nach Schätzung der an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftlern von einem Kilometer grossen Kometenstück.
Der Brocken aus Eis, Ammoniak, Methan und anderen Kohlenwasserstoffen, schaffte es - wie der Neuschwanstein-Meteorit auch - nicht in einem Stück bis zum Boden. Er zerplatzte in einer gewaltigen Explosion über dem Boden. Der Asteroid oder Komet trifft die Erde mit 12 Kilometern pro Sekunde Geschwindigkeit (nach Angaben der an den Untersuchungen beteilignten Wissenschaftlern, siehe chiemgau-impact.com) und einem Winkel von 7 Grad. Seine kinetische Energie (Bewegungsenergie) ist gewaltig. Sie wird beim Auftreffen auf dichtere Atmosphärenschichten oder dem Boden schlagartig frei. Der Chiemgau-Komet explodierte einige Kilometer über dem Boden. Die Energie erreicht oder übertrifft die Stärke einer grossen Atombombe. Der heisse Feuerball steckt Wälder in weiten Umkreis in Brand und versengt näher am Zentrum exponierte Steine und Werkzeuge der wenigen Bewohner. Die anschliessend über das Chiemgau rasende Druckwelle löschte die Brände wieder und fällte die meisten Bäume.
Der Kometenkern verdampfte nicht vollständig. Einige Bruchstücke überlebten die Explosion und setzten den Weg Richtung Erdboden fort. Eine Trümmerwolke schlägt in einem Gebiet von Chiemsee bis in die Inn-Salzach-Region (58 x 27 km), und schlug zahlreiche Krater. Der Grösste darunter ist mit 370 Metern Durchmesser der Tüttensee. Jeder der Krater musste einzeln genau untersucht werden, um andere Ursachen (Toteisbecken der letzen Eiszeit, alter Feuerwehrweiher, Bombenkrater etc.) auszuschließen; eine riesige Fleißarbeit. 2200 Jahre sind aus der Sicht von Geologen und Astronomen eine Zeitspanne, die kaum der Rede wert ist. Der Chiemgau-Einschlag fand somit (fast) in der Gegenwart statt.
Wie kann der Beweis erbracht werden, dass diese Katastrophe tatsächlich vor 2200 Jahren stattgefunden hat? Die historische Quellenlage ist zwar nicht null aber zu dünn, um einen Einschlag zu beweisen. Somit bleibt nur geologische Feldarbeit und aufwändiges Sammeln von kleinen Einzelindizien bis sie sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen.
In Wüsten ist es relativ einfach, die Spuren zu rekonstruieren. Die Steine aus dem Weltraum fallen hier auf. Auch Einschlagspuren sind einigermassen offensichtlich. Jedoch ist das Alpenvorland mit seiner intensiven Vegetation und häufigen Niederschlägen und im Laufe der vergangenen 2200 Jahren immer intensiver werdenden Besiedlung und Landwirtschaft ein schlechter Ort, um die Spuren des Einschlages zu finden. Jedoch der Fleissige und Clevere hat durchaus Chancen.
Im Jahr 2000 stießen die Hobby-Archäologen Werner Mayer, Gerhard Benske, Rudolf Beer, Christian Siegl, Ralph Sporn und Thomas Bliemetsrieder bei archäologischen Erkundungen im Chiemgau immer wieder auf eigenartiges metallisches Material, das über große Flächen verbreitet und auch in größeren Tiefen zu finden war. Stets fanden sie das rätselhafte Material in der Nähe von kraterförmigen Strukturen - so kamen sie auf die Idee, dass hier ein Meteoritenschauer niedergegangen sein könnte und führten umfangreiche Geländeuntersuchungen durch.
Zusammen mit dem Astronomen Michael Rappenglück aus Gilching suchten sie außerdem nach einem Geologen, der in Sachen Meteoriteneinschläge bewandert ist, und stießen über das Internet auf Kord Ernstson. Das war im Sommer 2004. Nach gemeinsamen Geländebegehungen bestätigte der Würzburger Wissenschaftler zweifelsfrei, dass es sich bei den Kratern um Meteoriteneinschläge handelt. Im Verein mit Michael Rappenglück, Werner Mayer, Gerhard Benske und Ulrich Schüßler wurde schließlich der Bericht erarbeitet, der auf einer speziellen Internetseite nachzulesen ist (siehe unten).
Nur fleißige Feldarbeit, minuziöses Sammeln von vielen Hinweisen und Fachkompetenz führte von einer ersten Idee zu einem anerkannten Erklärungsmodell; eine eindrucksvolle Teamarbeit.
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| Von der Explosion umgeworfene Bäume in Sibirien. Foto der Kulik-Expedition. |
Es ist anzunehmen, dass es auch andere, noch jüngere Ereignisse gegeben hat. Ein Ereignis liegt nur knapp hundert Jahre zurück. In Sibirien explodierte ein schätzungsweise 70 m grosser Steinasteroid 6 km über den Wäldern um die steinige Tunguska. Detailuntersuchungen der Universität von Bologna schätzen die Explosionskraft auf 10 bis 20 Megatonnen TNT. In einem Gebiet von 60 x 40 km wurde der Wald umgeworfen.
Innerhalb dieses Gebietes findet man ein Areal von 40 x 30 km mit verkohlten Baumstämmen. In dieses Gebiet passt problemlos das Areal einer Grossstadt wie Rom, die von einer solchen Explosion weitgehend zerstört würde und desen Bevölkerung dies zu einem erheblichen Teil nicht überleben würde. Selbstverständlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Grossstadt getroffen wird, klein. Versuchen Sie jedoch im Bereich von Mittel- und Westeuropa ein fast völlig unbesiedeltes Gebiet von 60 x 40 km zu finden...
Ein Ereignis wie das von Sibirien 1908 kann im Schnitt ein paar Mal pro Jahrtausend auftreten. Wahrscheinlichkeitsschätzungen sind jedoch nach wie vor schwierig für Ereignisse von Tunguska bis Chiemgau-Stärke.
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| Zerstörungsgebiet des Tunguska-Einschlages über eine Karte von Rom und Umgebung gelegt. Gelb: Bäume wurden verkohlt, grün: Bäume wurden umgeworfen. © Universität Bologna.. |
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| Raumsonde Deep-Impact. Gemälde © NASA. |
Man braucht zur erfolgreichen Abwendung einer drohenden Katastrophe zwei Dinge: Einerseits eine systematische Suche nach potentiell gefährlichen Asteroiden oder Kometen und eine Möglichkeit, möglichst frühzeitig den Asteroiden oder Kometen zu erreichen und seine Bahn zu beeinflussen. Besonders von letzterer Variante hat die Menschheit noch nicht viel Ahnung.
Ein erster Schritt besteht darin, Kometen und Asteroiden in ihrer Geologie besser zu verstehen. Dazu sind schon etliche Sonden an Asteroiden und Kometen vorbeigeflogen, und eine hat sogar einen umkreist. Die europäische Sonde Rosetta soll sogar ein Landegerät auf einem Kometen absetzen.
Zur Zeit ist eine Sonde unterwegs, deren Mission dem Abfangen eines potentiell gefährlichen Asteroiden oder Kometen am nächsten kommt: Deep-Impact. Die im Januar 2005 gestartete Sonde wird bereits am 4. Juli 2005 den Kometen Tempel 1 erreichen. Selbstverständlich ist Tempel 1 nicht auf Kollisionskurs mit der Erde. Ein Tag vor dem Vorbeiflug am Kern des Kometen wird die Sonde ein 372 kg schweres Projektil auf Kollisionskurs mit dem Kometenkern bringen. Das im Wesentlichen aus Kupfer bestehende Projektil ist aktiv, d.h. es kann selbst den Kurs nochmals korrigieren, um den Einschlag sicherzustellen. Es wird am folgenden Tag mit 37'000 Kilometern pro Stunde (10.3 km/s) einschlagen und auf dem Kometenkern einen etwa fussballstadiongrossen Krater verursachen. Die dem Einschlag entsprechende Explosionskraft beträgt nicht ganz 5 Tonnen TNT. Die Sonde führt keinen Sprengstoff mit. Es handelt sich nur um die freiwerdende kinetische Energie. Die Wirkung des Einschlages der Sonde auf die Bahn des Kometen ist gleich null.
Die in sicherem Abstand am Kometen vorbeifliegende Raumsonde wird die Wirkung des Einschlages aufzeichnen und die Zusammensetzung der durch den Einschlag aus der Tiefe des Kometenkerns freigesetzten Gase untersuchen. Dann im Ernstfall etwa dassselbe Szenario ablaufen würde (anstelle eines Kupferblocks mit einer Wasserstoffbombe), ist zumindest vorstellbar. Der Komet Tempel 1 ist ein Komet, der nur dem fortgeschrittenen Amateurastronomen zugänglich ist. Im Zeitraum des Einschlags ist er am Nachthimmel beobachtbar für Leute mit der entsprechenden Ausrüstung. Auch der Einschlag der Sonde wird den Kometen sicher etwas heller werden lassen, jedoch nicht so stark, dass eine Beobachtung für Laien möglich würde.
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