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Planeten im April 2004

Anfang April sind sämtliche 5 klassischen Planeten am Abendhimmel zu finden: Venus dominiert bis nach Mitternacht den Himmel, begleitet vom weniger auffälligen Mars. Der helle Jupiter ist die ganze Nacht zu beobachten (abends im Osten). Saturn steht inmitten der Wintersternbilder. Merkur beendet seine für dieses Jahr beste Sichtbarkeitsperiode - in den ersten Tagen steht er noch tief im Westen.

Venus

Ansicht von Venus © CalSKY / A. Barmettler.
Venus, aktuelle Ansicht
Im April steht Venushoch über dem Abendhorizont. Grafik A. Barmettler/CalSKY.com. © CalSKY / A. Barmettler.
Abendsichtbarkeit 2004 von Venus

Unübersehbarer Abendstern im Westen

Unser innerer Nachbar Venus erreichte Ende März seine grösste Elonation von der Sonne. Die Winkeldistanz zwischen den beiden Gestirnen betrug dann 46°. Im Laufe des April reduziert sich dieser Winkel um 5°. Wegen der sehr günstigen Geometrie zwischen Sonne, Erde und Venus steht in unseren Breiten beim Eindunkeln die Venus über 35° hoch über dem Horizont. Die Entwicklung der Höhe über Horizont von Venus bei bürgerlicher Dämmerung ist in der rechts stehenden Grafik ersichtlich: Nachdem diese im März das Maximum erreicht hat, 'fällt' nun die Venus geradezu dem Horizont entgegen. Können Sie im Laufe von Tagen erkennen, dass die maximale Höhe von Venus in der Dämmerung tatsächlich abnimmt? Am 8. Juni quert Venus dann übrigens die Sonnenscheibe - ein Ereignis, das noch kein heute lebender Mensch live mitverfolgt hat.

Die grosse Höhe über Horizont in der Abenddämmerung ist eine sehr seltene, ja schon fast rekordverdächtige Konstellation, so dass die Venus ausnahmsweise auch fotografisch sehr gut zugänglich ist; steht sie doch markant höher als Mars im letzten September bei seiner Jahrhundertopposition. Ab den ersten Apriltagen übertrifft die scheinbare Grösse von Venus diejenige von Mars von letztem September.

Im Teleskop ändert sich die Ansicht von Venus nun auffällig − zu Beginn ist noch Halbvenus, Ende Monat zeigt sich eine dicke Sichel. Verfolgen Sie hierfür auch die oben dargestellte Simulation der Ansicht von Venus. Der scheinbare Durchmesser nimmt in den 30 Tagen um 50% zu.

Begegnung mit den Plejaden am 3. April

Venus läuft südlich an den Plejaden vorbei. Stellung rechts: 3. April, 9:30 MESZ, Stellung Mitte: 3. April, 21:30 MESZ, Stellung links: 4. April, 9:30 MESZ. A. Barmettler/CalSKY.com Sternkarte mit Venus.
Venus bei den Plejaden

In den ersten Apriltagen läuft Venus südlich an den Plejaden vorbei. Nur alle 8 Jahren kann Venus dem 'Siebengestirn' so nahe kommen. Im Jahr 2028 bewegt sich Venus sogar direkt zwischen den Hauptsterne durch. In diesem Jahr dürfte dieses Ereignis wegen der guten Sichtbarkeitsperiode von Venus eine speziell günstige Fotogelegenheit bieten!




Mars

Am Abendhimmel - in westlicher Richtung

Mikroskopische Aufnahme einer Marsgesteins-Bohrung von MER-A 'Spirit', NASA.
News und mehr zur NASA-Mission.
Mikroskopische Aufnahme einer Bohrung in einem Marsgestein

Mars steht nach Sonnenuntergang als rötlicher Stern im Südwesten. Seine Helligkeit beträgt nur 1.5 Grössenklasse. Er begleitet den gesamten Monat über die unglaublich hell strahlende Venus - Mars steht jeweils links oberhalb des Abendsterns. (in der Nacht auf den 26. April beträgt der minimale Abstand zwischen den beiden Planeten 5.6°). Unser äussere Nachbarplanet geht etwas nach Mitternacht unter. Durch ein Amateurteleskop kann nur noch ein kleines Scheibchen erkannt werden − der Durchmesser beträgt nur noch rund einen Sechstel seiner Rekordgrösse von letztem September.


Merkur

Bis 3./4. April in Abenddämmerung

Merkur in der Abenddämmerung, dargestellt relativ zur Sonne. Die Sonne wäre jeweils 6° unter Horizont (bürgerliche Dämmerung). © CalSKY / A. Barmettler.
Abendsichtbarkeit Frühjahr 2004 von Merkur

Merkur stand in der zweiten Märzhälfte in bester Sichtbarkeit für das Jahr 2004. Mit Merkur standen sämtliche 5 seit der Antike bekannten Planeten am Abendhimmel. Obwohl Merkur erst am 17. April in unterer Konjunktion zur Sonne steht (der Planet ist dann zwischen Erde und Sonne), nimmt seine Helligkeit täglich rapide ab: Am 1. noch 0.4 Grösse, scheint Merkur bereits am 4. April nur noch als Stern 1.2 Grösse - anschliessend ist er zu lichtschwach um in der hellen Dämmerung gesehen zu werden. Verwenden Sie zum Auffinden des Planeten ein Fernglas.


Saturn

Saturn noch hoch am Abendhimmel

Inmitten der hellen Sterne der Wintersternbilder steht der Ringplanet Saturn. Im April beträgt die Elongation von der Sonne noch über 60°, so dass er am Abend in den höchsten Regionen der Ekliptik hoch am Himmel steht. Saturn ist wegen seiner weit geöffneten Ringe recht hell; er scheint so hell, wie ein Stern von 0.1 Grösse. Er ist aber bei weitem weniger auffällig als die Venus, die mit -4.5 Grösse sämtliche Sterne bei weitem überstrahlt. Saturn ist aber heller als die Sterne der Wintersternbilder (ausser Sirius).

Hinzu kommt, das Saturn im letzten Juli die Sonnennähe (Perihel) seines 29 Jahre dauernden Sonnenumlaufs erreichte. Deshalb stand uns Saturn im Januar so nahe wie seit 1975 nicht mehr − er wird uns aber im Januar 2005 noch ein wenig näher stehen.

Grosse Ringöffnung

Die Saturnring-Ebene ist gegenüber der Erdbahn geneigt. Deshalb ändert sich der Winkel, unter dem wir die Ringe sehen können, im Laufe eines Saturnumlaufs. Im April 2003 erreichten die Ringe die grösste Neigung und waren gut 27° geneigt. In diesem Monat beträgt die Neigung immer noch rund 26°.

In der folgenden Grafik ist der wechselnde Anblick der Saturnscheibe und seiner Ringe dargestellt. Zu sehen ist auch, dass im Jahr 2004 der äusserste Teil der Ringe (A-Ring) auch hinter Saturn gesehen werden kann.

Saturn im März 2004 Ende März 2004
'Schrägansicht'
Saturn im September 2009 9. September 2009
Erde auf der Ringebene
Die wechselnde Ansicht des Ringplaneten Saturn. Simulationen von A. Barmettler/CalSKY.com.

Die Ringe steuern für die Gesamthelligkeit des Saturns einen grossen Anteil bei. Während die Helligkeit der eigentlichen Saturnscheibe im Laufe des Sonnenumlaufs nicht wesentlich ändert, kann die Helligkeit je nach Ringstellung um gut eine Grössenklasse variieren − also um einen Faktor 2½. Wenn die Erde direkt auf der Ringebene liegt, kann dieses dünne Band mit üblichen optischen Mitteln gar nicht mehr gesehen werden. Jetzt sind die Ringe noch weit geöffnet, so dass das Saturn-System in relativ grosser Helligkeit erstrahlt.

Sichtbarkeit

Saturn fällt im ansonsten hellen Umfeld der Wintersterne wegen der etwas grösseren Helligkeit auf. Saturn steht im Sternbild Zwillinge und geht anfangs um 3 Uhr unter, zu Monatsende um 1½ Uhr. Er befindet sich bei Sonnenuntergang sehr hoch im Südwesten, und gegen Mitternacht noch 30° hoch im Westen.


Jupiter

Fast die ganze Nacht gut sichtbar

Der grösste Planet unseres Sonnensystems erreichte anfang März seine Oppositionsstellung. Seither haben sich die Aufgangszeiten so verschoben, das Jupiter bei Sonnenuntergang bereits über dem Osthorizont steht. Anfang Monat geht er um 6 Uhr in der Früh unter, bei Monatsende schon etwa um 4 Uhr.

Jupiter ist neben der Venus der hellste Stern am Himmel. Er ist einfach zu finden − am Abend steht Jupiter noch nicht allzu hoch im Osten (Venus im Westen).


Uranus und Neptun

Ansicht von Uranus © CalSKY / A. Barmettler.
Uranus, virtuelle Ansicht
Ansicht von Neptun © CalSKY / A. Barmettler.
Neptun, virtuelle Ansicht

Vor der Morgendämmerung

Die äusseren Gasriesen Uranus und Neptun befinden sich in den tieferen Regionen der Ekliptik. Sie gehen nur wenige Stunden vor der Sonne auf und können vor der Morgendämmerung tief im Südosten gefunden werden.

Wenn Sie diese beiden Planeten aufsuchen möchten - die sternenförmigen Punkte sind bereits im Fernglas sichtbar, und im Teleskop erkennen Sie eine Scheibchenform - erstellen Sie sich bitte eine aktuelle Aufsuchkarte (die Bildausschnittshöhe entspricht jeweils etwa dem Winkel, der eine gespreizte, ausgestreckte Hand aufspannt): Uranus bzw. Neptun.


Weiterführende Links

Arnold Barmettler



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31.03.2004 19:06 Uhr, Arnold Barmettler

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