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Planeten im September 2003

Der Planet Mars steht uns in diesem Monat weiterhin ungewöhnlich nahe und befindet sich nun auch noch am Abendhimmel - dies ist die beste Zeit in unserem Leben, um den roten Nachbarn mit seinen dunklen Flecken und der abschmelzenden Polkappe im Teleskop einer öffentlichen Sternwarte zu bestaunen! Zu Monatsende erscheint Venus in der Abenddämmerung, Merkur und Jupiter in der Morgendämmerung. Saturn geht bereits nach Mitternacht auf.

Mars

Mars, aktuelle Ansicht
Ansicht von Mars - alle 10 Minuten aktualisiert © CalSKY / A. Barmettler.

In Rekordnähe - ganz Nacht sichtbar; Aufgang vor Sonnenuntergang

Mars ist das Highlight in den Spätsommernächten schlechthin. Er ist der unübersehbar helle und gelblich-rötliche Stern, den Sie nachts in südlicher Richtung - nicht allzu hoch über dem Horizont - sehen können.

Unser Nachbarplanet durchlief seine erdnächste Position seit fast 60'000 Jahren am 27. August 2003: Mars stand dann in 'nur' 55.76 Millionen Kilometer Abstand von der Erde. Die Helligkeit des Mars erreicht zu Monatsbeginn noch einen für 47 Jahre nicht mehr erreichbaren Wert von -2.9 Grössenklassen. Mars scheint dann sogar noch heller als Jupiter in Oppositionsstellung. Bis zu Monatsende reduziert sich diese Helligkeit allerdings bereits wieder auf -2.1 Grösse.

Mars geht nun vor Sonnenuntergang auf und steht beim Einnachten schon einige Grad über Horizont. Somit verfrüht sich auch seine Kulmination, d.h. der Zeitpunkt, an dem er seinen höchsten Punkt seiner täglichen Bahn im Süden erreicht. Er steht gegen Mitternacht zwischen 22° und 31° über Horizont (je nach geografischer Breite des Beobachters). Dies ist leider nicht besonders viel, aber gerade deshalb sollten Sie den roten Planeten zu seiner Kulminationszeit durch ein Teleskop beobachten: Die Turbulenzen der Erdatmosphäre halten sich dann im Rahmen.

Falls Sie von blossem Auge, durch ein Fernglas oder ein kleines Teleskop beobachten, dürfen Sie auf Mars keine Oberflächendetails erwarten - achten Sie sich auf den in diesen Wochen folgenden markanten Helligkeitsrückgang und planen möglichst in den ersten September-Wochen einen Besuch in einer öffentlichen Sternwarte ein.

Oppositionsstellung von Mars von 2000-2020. Grafik R. Brodbeck.
Minimale Distanzen zwischen Erde und Mars in Millionen Kilometer von 2000-2020. Es ist jeweils der Tag der kleinsten Distanz und nicht der Tag der Opposition vermerkt. Am geringsten wird die Distanz Erde-Mars am 27.8.2003. © R. Brodbeck

Polkappe

Der direkte Blick durch ein Amateurteleskop zeigt den Mars als rotes Scheibchen mit der klar sichtbaren Südpolkappe. Der hohe Kontrast des Kohlendioxid-Eises zur roten Oberfläche ist unübersehbar. Die Polkappe sollte sich im Laufe der nächsten Monate zurückziehen, weil auf der Mars-Südhemisphäre Frühjahr ist. Diese Verkleinerung ist im Teleskop im Laufe von Wochen recht gut bemerkbar. Desweiteren sind gewisse Albedoformationen, also Gebiete unterschiedlicher Lichtrückstreuung, sichtbar; hierfür ist aber bereits ein Teleskop-Durchmesser von 10-15 Zentimeter notwendig.

Mars zu Beginn und während des grossen globalen Staubsturmes im Jahr 2001. (Foto Mars Global Surveyor, NASA).
Der grosse Staubsturm 2001 auf dem Mars

Allerdings könnten nach der Opposition auf dem Mars vermehrt Staubstürme auftreten, bedingt durch die Sonnennähe. Diese könnten sogar globale Ausmasse annehmen und uns den Blick auf die Marsoberfläche fast komplett verunmöglichen, so wie dies im Sommer 2001 der Fall war - ein Grund mehr, den schönen Anblick der Marsscheibe so früh wie möglich zu geniessen.

Marsmonde Phobos und Deimos

CCD-Aufnahme von Mars und seinen Monden vom 20. Juli 2003 um 3:10 MESZ von Team mars03.de.
Mars und seine Monde von mars03.de

Mars hat zwei kleine Monde: Phobos und Deimos. Die rund 20 km grossen kartoffelförmigen Gesteinsbrocken wurden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Diese späte Entdeckung zeugt schon davon, dass diese beiden Himmelskörper keine einfachen Objekte zur Beobachtung sind - obwohl sie von der Helligkeit her kein Problem scheinen: Phobos wird zur Opposition als Sternchen von 10.5 Grösse und Deimos von 11.6 Grösse scheinen. Leider bewegen sie sich in nur geringer Distanz um den Mars, so dass das gleissend helle Licht die lichtschwachen Monde völlig überstrahlt. Während dieser Opposition ist das System besonders hell und die Winkeldistanz von der Marsscheibe recht gross (22", respektive 85") - ein Grund also, sich auch etwas in der Umgebung von Mars umzusehen!



Saturn

Am Morgen

Saturn verfrüht seinen Aufgang im Laufe des Monats um 1½ Stunden, von anfangs 1 Uhr auf die Zeit vor Mitternacht. Saturn strahlt in diesem Monat nicht speziell hell und sein scheinbarer Durchmesser ist auch nicht allzu gross, aber der Anblick der weit geöffneten Ringe könnte Sie trotzdem vor der Morgendämmerung einen Blick durch Ihr Teleskop auf den majestätischen Planeten werfen lassen! In diesem Monat ist die Saturnscheibe noch kleiner als diejenige von Mars.


Venus

Ab Monatsende in der Abenddämmerung

Die Venus stand am 18. August in oberer Konjunktion mit der Sonne. In der letzten September-Dekade sollte die Venus aber trotz der geringen Elongation von der Sonne von nur 10° gefunden werden können - unser innere Nachbarplanet scheint nämlich als Stern mit sehr hellen -3.9 Grösse, also nochmals 2.5-mal heller als Mars.


Merkur

Ab Monatsmitte in der Morgendämmerung

Am 11. September steht Merkur in scheinbarer Sonnennähe (untere Konjunktion, Merkur zwischen Erde und Sonne). Die Ekliptik steigt aber so steil über den Osthorizont, so dass Merkur bereits wenige Tage nach der Konjunktion einen Winkelabstand von 10° erreicht. Merkur sollte somit ab Mitte Monat in der Morgendämmerung aufgefunden werden können. Am 27. September steht der flinke Wandelstern in grösster Elongation. Durch ein Teleskop können Sie in der 2. Monatshälfte mitverfolgen, wie der Planet - anfangs als grosse Sichel - im Laufe der Tage kleiner wird und am 27. September die Phase 'Halbmerkur' erreicht.

Jupiter

Unsichtbar

Jupiter, der grösste Planet unseres Sonnensystems, stand am 22. August in Konjunktion mit unserem Zentralgestirn. Gegen Ende September sollte er bereits wieder in der Morgendämmerung tief im Osten auffindbar sein.


Uranus und Neptun

Ganze Nacht - in südlicher Richtung

Die äusseren Gasriesen Uranus und Neptun befinden sich in den tiefsten Regionen der Ekliptik. Uranus ist gar nicht allzu weit von Mars entfernt zu finden. Obwohl die Kulminationshöhen recht bescheiden sind, können die kontrastlosen Planetenscheiben nun gut beobachtet werden.

Neptun erreichte am 4. August seine Oppositionsstellung - stand dann also von der Erde aus gesehen der Sonne gegenüber. Auch Uranus stand am 24. August in Opposition.

Wenn Sie diese beiden Planeten aufsuchen möchten - die sternenförmigen Punkte sind bereits im Fernglas sichtbar, und im Teleskop erkennen Sie eine Scheibchenform - erstellen Sie sich bitte eine aktuelle Aufsuchkarte (die Bildausschnittshöhe entspricht jeweils etwa dem Winkel, der eine gespreizte, ausgestreckte Hand aufspannt): Uranus bzw. Neptun.


Pluto

Abendimmel

Der sonnenfernste Planet Pluto stand im Juni in Opposition zur Sonne und wäre jetzt am Abendhimmel zu beobachten. 'Wäre' deshalb, weil der Planet mit einer Helligkeit von 13.9 Grösse von Auge nur durch grosse Teleskope (30 cm Öffnung) direkt beobachtet werden kann und auch nur dann, wenn die atmosphärischen Verhältnisse ideal sind. Mit fotografischen Hilfsmitteln an einem mindestens 15 cm grossen Teleskop ist dies einfacher möglich, v.a. mit CCD-Kameras, die speziell für astronomische Zwecke hergestellt wurden.

Aber selbst auf CCD-Aufnahmen ist es schwierig, das richtige Pünktlein als Pluto zu identifizieren: Meistens sind zwei Bilder nötig, die mehrere Stunden nacheinander aufgenommen wurden; der kleine Lichtfleck, der sich gegenüber den helleren Sternen bewegt hat, ist Pluto.

Weiterführende Links

Arnold Barmettler



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10.01.2007 19:16 Uhr, Arnold Barmettler

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