|
||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Alle zwei Jahre und 2 Monate steht Mars der Erde besonders nahe. Eine Gelegenheit, sich einmal nicht mit den Bildern der Raumsonden zu begnügen, sondern selbst einen Blick auf den Planeten zu werfen: Sei es mit blossem Auge oder durch ein Teleskop.
|
|
Der Planet Mars wird genauso wie die Erde von der Sonne beleuchtet. Würde die Sonne aufhören zu scheinen, würde auch der Mars in dunkle Nacht getaucht und unsichtbar werden. Wir sehen somit ausschliesslich das reflektierte Sonnenlicht. Die rötliche Farbe wird durch rötlichen Eisenoxydstaub auf seiner Oberfläche verursacht.
Der Marsglobus ist etwa halb so gross wie die Erde. Seine Distanz (55 – 400 Mio. km) ist immer zu gross, um von blossem Auge Details auf dem Marsglobus sehen zu können. Der Planet erscheint dem blossem Auge nur als Stern und nicht als Objekt mit einer gewissen Ausdehnung, wie z.B. unser Mond.
Wie hell der Planet am Sternenhimmel scheint, hängt von seiner Distanz zur Erde ab. Je näher er der Erde ist, desto heller strahlt der Planet. Da bei Mars die Distanz in einem weiten Bereich schwanken kann, ändert sich auch seine Helligkeit am Sternenhimmel dramatisch. Steht er in grosser Entfernung, erscheint Mars dem blossen Auge als ein mässig heller, leicht rötlicher Stern, der sich von den Fixsternen der Sternbilder nicht besonders abhebt. Erst wenn im Laufe der Monate die Distanz allmählich geringer wird, nimmt die Helligkeit des Mars zu und er kann mit den hellsten Sternen des Nachthimmels konkurrieren. Bei besonders geringen Distanz, wie im Spätsommer 2003, wird Mars zu einem sehr auffälligen hellen Stern, der alle Fixsterne überstrahlt. Nur die beiden Planeten Venus und Jupiter können noch etwas heller werden.
Mars und Erde bewegen sich gemeinsam um die Sonne. Die Blickrichtung zum Mars ändert sich deshalb dauernd. Die Bewegung des Mars vor der Kulisse der Sternbilder hat bereits um die Jahrhundertwende vom 16. auf das 17. Jahrhundert Johannes Kepler zu seinen Gesetze der Planetenbahnbewegung inspiriert.
Man kann die Bewegung des Mars (oder eines anderen Planeten) selbst verfolgen und auch im Bild festhalten. Dazu ist keine besondere Ausrüstung notwendig. Ein auf ein Stativ montierter Fotoapparat mit Normalobjektiv (50mm Brennweite) oder einem leichten Weitwinkelobjektiv reicht, um mit Fotos die Bewegung des Planeten im Laufe von Tage und Wochen zu dokumentieren.
Verwenden Sie für diese Versuche einen empfindlichen Film (400 ASA bis 1000 ASA). Haben Sie einen neuen Film eingelegt, sollten Sie zuerst eine Aufnahme von einem normalen Motiv machen: Beginnt der Film mit einer Sternfeldaufnahme, können die Kopiermaschinen im Filmentwicklungslabor den Filmanfang nicht finden und werden möglicherweise Ihre Aufnahmen zerschneiden. Dann stellen Sie die Scharfeinstellung auf unendlich, öffnen die Blende und stellen die auf ein Stativ montierte Kamera auf Langzeitbelichtung. Der Mars ist hell genug, dass er im Kamerasucher problemlos zu erkennen ist. Wenn der Mars zentriert ist, schiessen Sie je eine Aufnahme mit einer Belichtungszeit von 5 Sekunden, 10 Sekunden und 20 Sekunden. Diese Prozedur wiederholen Sie alle paar Tagen. Nach einigen Wochen erhalten Sie eine Fotoserie, die sehr schön die Bewegung des Planeten vor den Sternbildern zeigen wird.
|
Besonders wenn Mars in Erdnähe steht, möchte man auch gerne einmal durch ein Fernrohr einen Blick auf den Mars werfen, sei es durch das eigene Teleskop oder beim Besuch einer öffentlichen Sternwarte.
Unter üblichen Bedingungen kann ein Teleskop noch Details am Himmel zeigen, die eine Winkelbogensekunde (= 1/3600 Grad) gross sind. Selbst bei sehr günstiger Erdnähe wie im Jahre 2003 wird der Marsglobus nie grösser als 25 Bogesekunden. In der Computersprache ausgedrückt würde Mars im Teleskop nie grösser als 25 Pixel sein. Unter idealsten atmosphärischen Bedingungen kann ein grosses Teleskop (30 cm Öffnung) auch mal für einen kurzen Moment etwas mehr zeigen.
Trotzdem reicht dies aus, um die wichtigsten Albedoformationen (helle und dunkle Regionen) auf dem Mars zu erkennen, z.B. die Polkappen. Auch die Drehung des Mars um seine eigene Achse lässt sich im Laufe der Stunden gut verfolgen. Etwas vom Marswetter bekommt man ebenfalls mit. Gelbliche und weissliche Wetterphänomene lassen sich knapp erkennen. Man darf nicht zu viel erwarten. Die grossartigen Aufnahmen, die Raumsonden vom Mars zur Erde funken, liefern sehr viel mehr Informationen pro Bild als selbst langjährige erdgebundene Beobachtungen zusammentragen können.
Sorgfältige, systematische Beobachtung des Mars wurde bereits im 19. Jahrhundert betrieben. Die obenstehenden Zeichnungen stammen aus dem Jahre 1877 und stammen von Sciaparelli (Milano). Sciaparelli sprach von dünnen Linien, die er Canali nannte. Daraus wurden dann die Marskanäle, die schliesslich bis ins 20. Jahrhundert als Beweis für eine sterbende alte Zivilisation herangezogen wurde. Wie wir heute wissen, wurde den schwierigen Marsbeobachtungen bei weitem zu viel Aussagekraft zugetraut. Trotzdem geben die Zeichnungen von damals eine Vorstellung davon, was heute auch mit einem besseren Amateurteleskop festgehalten werden kann. Wer wirklich genau hinschauen will, der versucht am Besten den Mars zu zeichnen.
Die Fotografie des Mars war lange Zeit ein eher schwieriges und frustrierendes Unterfangen. Nur sehr geübten Fotografen an grossen Teleskopen gelang es wenigstens halbwegs Bilder zu erhalten, die dem Teleskopanblick etwas nahe kamen. Oft zeigte das Bild nur einem einzigen verwaschenen Fleck auf einem unscharf wirkenden Scheibchen, mit etwas Glück noch eine etwas hellere Stelle, dort wo die Polkappe sein sollte.
![]() |
Die in den letzten Jahren aufgekommene Digitalisierung der Astrofotografie eröffnet nun auch dem Amateurastronom Möglichkeiten, ansprechende Marsbilder zu erhalten. Digitale Kleinkameras (sog. Webcams) haben sich besonders für diesen Zweck bewährt. Sie bieten die Möglichkeit, über wenige Minuten hinweg Hunderte bis Tausende Planetenaufnahmen zu machen. Aus diesen werden anschliessend z.B. die besten 200Bilder ausgewählt und zu einer einzigen Aufnahme kombiniert. Diese kombinierte Aufnahmen übertreffen die Qualität einer einzelnen Aufnahme sehr deutlich.
![]() |
Zur erfolgreichen Beobachtung oder Fotografie des Mars ist eine perfekte Scharfeinstellung des Teleskops unverzichtbar. Besonders einfach ist dabei die Anwendung einer sogenannten Scheinerblende. Diese kann ein Objektivdeckel sein, der zwei Löcher aufweist. Der Rest des Objektiv wird abgeblendet. Richtet man das Teleskop - mit der Scheinerblende aufgesetzt - auf einen Stern, so wird man zwei Bilder des Sterns sehen, ausser gerade in der perfekten Scharfstellung. Auf diese Weise kann man relativ einfach eines der Hauptprobleme der Astrofotografie lösen.
Die obenstehende Abbildung zeigt ein Teleskop, dass mit einer Webcam ausgestattet ist. Neben Teleskop und Webcam braucht der Amateurastronom eine geeigneter Software, die eine Vielzahl von Einzelbildern aufaddiert und das Resultatbild schärft. Empfehlenswert hierfür sind Registax oder Astrostack. Diese beiden Programme sind sogar gratis über das Internet verfügbar. Als Kamera kann ich Ihnen die Philips ToUCam Pro empfehlen, die über einen recht lichtstarken CCD-Chip verfügt. Sie ist heute die am weitesten verbreitete Kamera unter Amateurastronomen. Die die Verbindung mit einem Teleskop brauchen Sie noch ein 1¾" Adapter und eventuell eine Barlow-Linse für die Verlängerung der Brennweite für fokale Aufnahmen. Mit dieser günstigen Zusatzausrüstung zu einem Teleskop können schon Anfänger in der Astrofotografie sensationelle Resulate erzielen! Falls Sie einen Versuch zur Mars-Fotografie mit Ihrer Kamera wagen, würden wir uns über Ihre Marsbilder freuen!
|
Auch wenn heute Raumsonden und professionelle Teleskope wie das Hubble-Teleskop die visuelle Beobachtung am Teleskop längst bei weitem übertreffen, so hat das „Selbst-Sehen“ nach wie vor nichts von seinem Reiz eingebüsst!
|
|||||||||||
|
|||||||||||