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Planeten im Juli 2003

Mars ist das Highlight in den lauen Sommernächten schlechthin, und er erfrüht seinen Aufgang auf die Stunde vor Mitternacht. Unser Nachbarplanet nähert sich seiner erdnächsten Position in der Menschheitsgeschichte die er Ende August erreicht. Durch das Teleskop ist seine Polkappe gut erkennbar. Jupiter kann abends noch im Westen gesehen werden.

Jupiter

Abends sichtbar

Jupiter, der grösste Planet unseres Sonnensystems, sehen wir in diesem Monat noch zum letzten Mal in diesem Jahr am Abendhimmel im Westen. Er ist zu Monatsbeginn noch recht gut sichtbar und geht auch erst nach 23 Uhr unter, verschwindet dann aber zusehends in der Abenddämmerung.


Merkur

In der Abenddämmerung

Merkur schält sich im Laufe des Monats immer etwas mehr aus der Abenddämmerung. Die Ekliptik schneidet den Horizont aber recht flach, so dass Merkur trotz dem stetig wachsenden Winkelabstand zur Sonne nur wenig über den Horizont guckt - weniger als 5° zum Zeitpunkt der bürgerlichen Dämmerung. Geübte Himmelsbeobachter sollten den Planeten dennoch ab dem 18. Juli bei guter Horizontsicht kurz nach Sonnenuntergang finden können.


Mars

Ansicht von Mars - alle 10 Minuten aktualisiert © CalSKY / A. Barmettler.
Mars, aktuelle Ansicht

Aufgang vor Mitternacht

Mars ist das Highlight in den lauen Sommernächten schlechthin. Unser Nachbarplanet nähert sich seiner erdnächsten Position in der Menschheitsgeschichte. Am 27. August 2003 steht Mars in nur 55.76 Mio. Kilometer Abstand von der Erde - ein Ereignis, von dem Sie diesen Sommer auch in den populären Medien noch viel lesen und hören werden. Die Helligkeit des Mars verdoppelt sich im Monatslauf von -1.4 auf -2.3 Grössenklasse.

Obwohl der rot leuchtende Planet ausser in den ersten Julitagen vor Mitternacht aufgeht, lohnt es sich doch, den Wecker um 4-5 Uhr zu stellen und den Wandelplaneten in Kulimination zu sehen - er steht dann im Süden und erreicht seine höchste Position über Horizont. Dies ist mit 22-31° nicht gerade überwältigend hoch, aber leider müssen wir uns damit begnügen. Die Atmosphäre dürfte am frühen Morgen weniger turbulent sein als am Abendhimmel, deshalb lohnt sich auch der Blick durch ein Teleskop besonders.

Mars-Fotografie mit Webcam

Handelsübliche Philips Webcam an einem Meade Teleskop. (Fotos A. Barmettler).
Philips ToUCam an einem Meade 10" SCT

Im Laufe des Juli vergrössert sich der scheinbare Mars-Durchmesser um einen Drittel, die Fläche sogar um über 75% und auf über 22 Bogensekunden - da wird sofort klar, dass rasch mehr Oberflächendetails sichtbar werden. Die obenstehende computergenerierte Abbildung des Mars gibt etwa den Anblick wieder, den ein Amateur mit Teleskop, Webcam und geeigneter Software im besten Fall erzielen kann - mit Software notabene, die gratis über das Internet verfügbar ist, empfehlenswert ist hierbei Registax oder Astrostack. Als Kamera kann ich Ihnen die Philips ToUCam Pro empfehlen, die über einen recht lichtstarken CCD-Chip verfügt. Sie ist heute die am weitesten verbreitete Kamera unter Amateurastronomen. Die die Verbindung mit einem Teleskop brauchen Sie noch ein 1¾" Adapter und eventuell eine Barlow-Linse für die Verlängerung der Brennweite für fokale Aufnahmen. Mit dieser günstigen Zusatzausrüstung zu einem Teleskop können schon Anfänger in der Astrofotografie sensationelle Resulate erzielen! Falls Sie einen Versuch zur Mars-Fotografie mit Ihrer Kamera wagen, würden wir uns über Ihre Marsbilder freuen!

Mars aufgenommen am 19.6.2003, 4:02 MESZ mit Philips Webcam von A. Barmettler Aufnahme des Mars vom 7.7.2003 um 2:45 MESZ mit Nikon Coolpix 990 von R. Brodbeck und M. Pesendorfer.

Polkappe

Auch der direkte Blick durch ein Teleskop zeigt den Mars als rotes Scheibchen mit der klar sichtbaren Südpolkappe. Der hohe Kontrast des Kohlendioxid-Eises zur roten Oberfläche ist unübersehbar. Die Polkappe sollte sich im Laufe der nächsten Monate zurückziehen - diese Verkleinerung sollte ebenfalls im Teleskop über Wochen bemerkbar sein. Desweiteren sollten gewisse Albedoformationen, also Gebiete unterschiedlicher Lichtrückstreuung, sichtbar sein. Hierfür muss das Teleskop gar nicht allzu gross sein.

Mars zu Beginn und während des grossen globalen Staubsturmes im Jahr 2001. (Foto Mars Global Surveyor, NASA).
Der grosse Staubsturm 2001 auf dem Mars

Allerdings könnten nach der Opposition Staubstürme auf dem Mars vermehrt auftreten, bedingt durch die Sonnennähe. Diese könnten sogar globale Ausmasse annehmen und uns den Blick auf die Marsoberfläche fast komplett verunmöglichen, so wie dies im Sommer 2001 der Fall war - ein Grund mehr, bereits in diesem Monat den schönen Anblick der Marsscheibe zu geniessen.

Marsmonde Phobos und Deimos

Foto des Mars-Mondes Phobos, aufgenommen vom Mars Global Surveyor am 1. Juni 2003. (Foto NASA).
Phobos

Mars hat zwei kleine Monde: Phobos und Deimos. Die rund 20 km grossen kartoffelförmigen Gesteinsbrocken wurden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entdeckt. Diese späte Entdeckung zeugt schon davon, dass diese beiden Himmelskörper keine einfachen Objekte zur Beobachtung sind - obwohl sie von der Helligkeit her kein Problem scheinen: Phobos wird zur Opposition als Sternchen 10.5 Grösse und Deimos 11.6 Grösse scheinen. Leider bewegen sie sich in nur geringer Distanz um den Mars, so dass das gleissend helle Licht die lichtschwachen Monde völlig überstrahlt. Während dieser Opposition ist das System besonders hell und die Winkeldistanz von der Marsscheibe recht gross (22", respektive 85") - ein Grund mehr, sich auch etwas in der Umgebung von Mars umzusehen!


Venus

Bis Monatsmitte in der Morgendämmerung

Venus entfernt sich immer weiter von der Erde und scheint schon fast in 'Vollvenus'. Dies bedeutet aber auch, dass deren Sichtbarkeit wegen der Nähe zur gleissend hellen Sonne immer schwieriger wird. Tatsächlich kann Venus noch bis gut Mitte Monat in der Morgendämmerung aufgesucht werden - bis dahin geht sie mehr als ¾ Stunden vor der Sonne auf. Die Stellung der oberen Konjunktion mit der Sonne wird Venus am 18. August erreichen.


Uranus und Neptun

Nachts in südlicher Richtung

Die äusseren Gasriesen Uranus und Neptun befinden sich in den tiefsten Regionen der Ekliptik. Uranus ist gar nicht allzu weit von Mars entfernt zu finden. Obwohl die Kulminationshöhen recht bescheiden sind, können die kontrastlosen Planetenscheiben nun bereits gut beobachtet werden.

Wenn Sie diese beiden Planeten aufsuchen möchten - die sternenförmigen Punkte sind bereits im Fernglas sichtbar, und im Teleskop erkennen Sie eine Scheibchenform - erstellen Sie sich bitte eine aktuelle Aufsuchkarte (die Bildausschnittshöhe entspricht jeweils etwa dem Winkel, der eine gespreizte, ausgestreckte Hand aufspannt): Uranus bzw. Neptun.


Pluto

Ganze Nacht am Himmel

Der sonnenfernste Planet Pluto stand im Juni in Opposition zur Sonne und wäre jetzt am Abendhimmel besondern gut zu beobachten. 'Wäre' deshalb, weil der Planet mit einer Helligkeit von 13.8mag von Auge nur durch grosse Teleskope (30 cm Öffnung) direkt beobachtet werden kann und auch nur dann, wenn die atmosphärischen Verhältnisse ideal sind. Mit fotografischen Hilfsmitteln an einem mindestens 15cm grossen Teleskop ist dies einfacher möglich, v.a. mit CCD-Kameras, die speziell für astronomische Zwecke hergestellt wurden.

Aber selbst auf CCD-Aufnahmen ist es schwierig, das richtige Pünktlein als Pluto zu identifizieren: Meistens sind zwei Bilder nötig, die mehrere Stunden nacheinander aufgenommen wurden; der kleine Lichtfleck, der sich gegenüber den helleren Sternen bewegt hat, ist Pluto.


Saturn

Ab Monatsmitte in Morgendämmerung

Saturn stand am 24. Juni in Konjunktion zur Sonne - befand sich also in Erdferne hinter der Sonne. Bis zum 20. Juli hat Saturn aber bereits wieder einen Winkelabstand von 20° von der Sonne erreicht, so dass er in der Morgendämmerung dem geübten Himmelsbeobachter auffallen sollte.


Weiterführende Links

Arnold Barmettler



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10.01.2007 19:16 Uhr, Arnold Barmettler

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