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Mars 2003

Mars 
Mars im Weltraumteleskop Hubble. ©NASA.

Ende August 2003 wird die Distanz zwischen Erde und Mars so gering wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Mars in Erdnähe bedeutet, der rote Planet wird zu einem auffälligen Gestirn am Nachthimmel. Für Fernrohrbesitzer ergibt sich die Gelegenheit, wenigstens die grössten Oberflächenformationen selbst zu beobachten. Zudem schicken Europa und die USA Raumsonden in Richtung Mars.

Mars kreist ausserhalb der Erdbahn um die Sonne. Für einem Umlauf braucht Mars fast 23 Monate, während die Erde in nur 12 Monaten die Sonne umkreist. Alle 2 Jahre und 2 Monate überholt die Erde den Mars auf ihrer sonnennäheren Bahn. Dies ist der Zeitpunkt der Opposition. Die Distanz ist besonders gering und der Mars ist während der ganzen Nacht am Himmel als auffälliges Gestirn zu sehen.

Rekorddistanz

Die Marsbahn weicht relativ stark von der einer Kreisbahn ab. Auch die Erdbahn ist kein perfekter Kreis. Deshalb fällt der Abstand zwischen Erde und Mars bei jeder Opposition unterschiedlich aus. Die Spanne möglicher Oppositionsdistanzen reicht von 101 Millionen Kilometern bis 56 Millionen Kilometern. Der kleinste mögliche theoretische Abstand entspricht dem kleinsten möglichen Abstand zwischen den Umlaufbahnen der beiden Planeten. Ende August in diesem Jahr findet die Opposition fast an der engsten Stelle zwischen Mars und Erdbahn statt. Zum letzten Mal fand 1924 eine vergleichbare nahe Begegnung zwischen Erde und Mars statt. Dieses Mal kommt der Mars der Erde sogar noch ein paar 10'000 Kilometer näher als 1924.
Mehr dazu.

Minimale Distanzen des Mars in den kommenden Jahren.  
Minimale Distanzen zwischen Erde und Mars im Millionen Kilometer. Es ist jeweils der Tag der kleinsten Distanz und nicht der Tag der Opposition vermerkt. Am geringsten wird die Distanz Erde-Mars am 27.8.2003. © R. Brodbeck.

Die Bahnform der Planeten ist nicht starr. Im Laufe der Jahrhunderte ändert sie sich aufgrund der gegenseitigen Beeinflussung durch die Schwerkraft. Die Marsbahn wird in unserer Zeit eine immer ausgeprägtere Ellipse. Dadurch sinkt der kleinste Abstand zwischen Erdbahn und Marsbahn seit einigen tausend Jahren. Früher war ein solch kleiner Abstand zwischen Erde und Mars wie wir ihn im August beobachten gar nicht möglich. So erklärt sich, dass es etwa 70'000 Jahre her ist, seit das letzte Mal der Mars der Erde ebenso Nahe kam, der Rekord aber bereits im Jahre 2300 gebrochen werden wird.

Ablauf der Marsopposition 2003

Im Laufe der Sommermonate wird die Distanz zwischen Erde und Mars immer geringer. Dadurch wird der Mars ein immer auffälligeres Gestirn am Himmel. Allerdings fehlt in der Zeit vor der Opposition der Mars am Abendhimmel. Man muss im Sommer den Mars in der zweiten Nachthälfte beobachten. Der Planet geht in Richtung Südosten auf und gewinnt im Laufe der Stunden mässig an Höhe über dem Horizont.

Simulation des Anblick des Mars im Laufe des Jahres 2003

Zunahme und Abnahme der scheinbaren Grösse des Mars für Beobachter mit Fernrohr. Anblick des Mars jeweils zum 1. Januar 2003, 1. März, 1. Mai, 1. Juli, 1. September, 1. November und 1. Januar 2004 um Mitternacht. Graphik A. Barmettler, CalSKY.com.

 
Animation des rotierenden Mars.
Simulation der Rotation des Mars. Animation: R. Brodbeck, Mars-Renderings von A. Barmettler astro!nfo, CalSKY

Ende August, anfang September, d.h. in der Zeit der geringsten Distanz geht der Mars bei Sonnenuntergang im Südosten auf. Um Mitternacht steht er mässig hoch im Süden. Mars ist dann das auffälligste Objekt am Himmel. Er erscheint als heller orange-roter Stern. Die ungewöhnliche Nähe des Mars bedeutet auch für Fernrohrbesitzer, dass der rote Planet relativ gross erscheint. Allerdings erscheinen die Oberflächendetails des Mars nicht so klar wie beispielsweise die Ringe des Saturns. Man muss sich etwas Zeit lassen, bis einem die schwachen Helligkeitsunterschiede auffallen. Dann kann man im Laufe der Stunden auch die Rotation des Planeten um seine eigene Achse beobachten.

Nach der Opposition verfrühen sich die Marsaufgänge, so dass er im Laufe des Herbst nach Sonnenuntergang bereits Richtung Südosten am Himmel steht, allerdings nimmt im Laufe des Herbst die Distanz wieder zu und die Helligkeit des Mars nimmt ab.

Raumsonden zum Mars

Die Zeit der Marsopposition ist auch für die Raumfahrt die Gelegenheit, Sonden zu starten, da dann sich der Treibstoffaufwand in technisch realisierbaren Grenzen hält. Der Start muss jeweils einige Monate vor der Opposition erfolgen, die Ankunft findet einige Monate nach der Opposition statt. Die NASA plant, zwei Marsfahrzeuge zu starten, und Europa nutzt diese Opposition, um selbst eine unbemannte Marsmission durchzuführen: Mars-Express. Diese Mission setzt sich aus einem Marssatelliten und einem Lander "Beagle-2" zusammen. Der Start ist für ende Mai vorgesehen, die Ankunft wird ende 2003 stattfinden.

Die NASA nützt das Startfenster, um zwei Marsrover (kleine automatische Fahrzeuge) auf dem Mars abzusetzen. Das erste wird ebenfalls ende Mai starten. Das zweite wird sich einen Monat später auf den Weg machen. Nach dem gescheiterten Landeversuch am Marssüdpol von 1999 ist dies der erste Landeversuch der NASA.



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15.05.2003 15:03 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

astro!nfo