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Kommende Finsternisse bis Ende 2003

Nach der zweiten afrikanischen totalen Sonnenfinsternis von diesem Dezember erleben wir ungewöhnlich finsternisreiche Monate in Europa. Von der Sonnenfinsternis in Afrika und Australien am 4. Dezember 2002 ist von Europa aus nichts zu sehen. Im Jahre 2003 erleben wir dann allerdings einiges an kosmischen Schattenspielen: Am 7. Mai läuft Merkur vor der Sonnenscheibe durch, am 16. Mai gibt es eine totale Mondfinsternis, am 31. Mai eine ringförmige Sonnenfinsternis und am 9. November 2003 schliesslich gleich nochmals eine totale Mondfinsternis.

4. Dezember 2002, totale Sonnenfinsternis im südlichen Afrika und Australien

  
Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 4. Dezember 2002 über das südliche Afrika. Am oberen Bildrand ist der Pfad der totalen Finsternis vom Juni 2001 eingezeichnet. Graphik von R. Brodbeck.

Die noch kurz vor dem Jahreswechsel zum Jahre 2003 stattfindende Finsternis ist die letzte totale Sonnenfinsternis bis 2006, die in mit normalem Aufwand erreichbaren Gebieten stattfindet. Das südliche Afrika erlebt am 4. Dezember bereits die zweite totale Sonnenfinsternis innerhalb  18 Monaten. Allerdings findet diese zweite Finsternis unter bedeutend ungünstigeren Umständen statt als diejenige vom 21. Juni 2001. Der Mond ist etwas weiter von der Erde weg und deshalb ist der Kernschatten des Mondes auf der Erde viel kleiner als im Jahre 2001. Die Dauer der Totalität wird deshalb geringer ausfallen. In Afrika wird die Sonne nur maximal etwa anderthalb Minuten ganz hinter der Sonne verschwinden. Australien muss sich sogar mit einer halben Minute begnügen. Für Afrika sind auch die Wetteraussichten nicht besonders gut. Im Dezember ist Regenzeit.

Kurz bevor der Kernschatten die Erde wieder verlässt, wird noch die Küste von Australien getroffen. Bei nur noch 8 Grad Höhe (eine Handbreit) über dem Horizont dauert die totale Finsternis nur eine halbe Minute. Wenn keine Wolkenbank die Sonne vorher schluckt,  kann auch eine solch kurze totale Sonnenfinsternis ein eindrückliches Erlebnis sein. Dies bestätigen Berichte von Schiffen, die vor der Küste Amerikas die totale Sonnenfinsternis von 1999 beobachteten. Im Nordwestatlantik dauerte damals die Totalität bei geringer Horizonthöhe ebenfalls kaum eine Minute.

Bis zum März 2006 wird dies die letzte totale Sonnenfinsternis sein, die in einigermassen gut erreichbarem Gebiet stattfindet. Im Jahre 2006 wird die Türkei vom Kernschatten des Mondes überquert.

7. Mai 2003, Merkur vor der Sonnenscheibe

Fernrohranblick des Merkurs vor der Sonnenscheibe um 7:30 Sommerzeit.   
Merkur vor der Sonnenscheibe um 07:30 Uhr Sommerzeit am 7. Mai 2003. Anblick im invertierenden Fernrohr. Simulation von A. Barmettler.

Die beiden innerhalb der Erdbahn kreisenden Planeten Merkur und Venus können als einzige Planeten genau zwischen der Erde und der Sonne stehen. Bei Merkur ist dies alle paar Jahre einmal der Fall. Er zieht dann im für Sonnenbeobachtung ausgerüsteten Fernrohr als kleines dunkles Scheibchen im Laufe von Stunden über die Sonnenscheibe. Für Mitteleuropa wird dies der erste Merkurtransit seit dem 10. November 1973 sein, der in voller Länge beobachtbar ist. Ein gutes Jahr danach, am 8. Juni 2004, wird auch Venus zum ersten Mal seit über hundert Jahren vor der Sonnenscheibe erwartet.

» Mehr zu diesem Merkurtransit «


 
 

31. Mai 2003, die Sonne geht als Sichel auf

Verlauf der Finsteris für Berlin
Verlauf der Finsternis für Berlin.
© A. Barmettler, CalSKY

Am 31. Mai streift die Verbindungslinie Sonne – Mond die Erde bei Island. Der Mond befindet sich jedoch in den erdfernsten Teilen seiner Bahn. Er kann deshalb die Sonne nicht vollständig bedecken. Von Grönland über Island bis an die Küste Schottlands wird man bei sehr tiefem Sonnenstand eine ringförmige Sonnenfinsternis sehen. Am höchsten steht die Sonne an der Ostküste Grönlands. Dort wird die nicht konzentrische ringförmige Finsternis etwa eine Handbreit über dem Horizont zu sehen sein. Deutschland erlebt bei Sonnenaufgang eine tiefe partielle Sonnenfinsternis.

 
Verlauf der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 31. Mai 2003 über Westeuropa. Sonnenaufgang ür 0 Grad Höhe. Graphik und Berechnungen von R. Brodbeck.

Island wäre touristisch problemlos erreichbar. Dort führt auch die Zentrallinie (der Ort, wo Sonne und Mond genau hintereinander stehen) über festes Land. Die Sonne steht dabei  kaum zwei Finger breit über dem Horizont. Bei dem in Island oft nicht unerheblich bewölkten Himmel ist es sehr unwahrscheinlich, die ringförmig verfinsterte Sonne zu sehen. Eine Finsternisreise lohnt unter diesen Umständen wenig.

Der deutsche Sprachraum befindet sich bei Sonnenaufgang sehr tief im Halbschatten des Mondes. Die Sonne geht deshalb als recht dünne Sichel auf, die im Verlauf des Morgens immer dicker wird. Wenn die meisten Leute zur Arbeit gehen, ist die Sonnenfinsternis bereits vorbei sein.

Für Süddeutschland, die Schweiz und Teile Österreichs wird man verschiedene Angaben zur maximalen Bedeckung der Sonne finden, da in diesen Gebieten die maximale Bedeckung (maximale partielle Phase) der Sonne durch den Mond bereits vor Sonnenaufgang stattfindet. Deshalb fallen maximal beobachtbare partielle Finsternis und Sonnenaufgang zusammen. Das Problem liegt darin, dass der Sonnenaufgang nicht immer gleich definiert wird. Bei grossräumigen Finsternisrechnungen wird der Sonnenaufgang gleich einer geometrischen Sonnenhöhe von null Grad gesetzt. Dies ist aber nicht der Beobachtung angepasst. Die Atmosphäre beugt das Licht etwas, so dass wir die Sonne noch sehen können, wenn die geometrische Verbindungslinie Sonne – Beobachter bereits durch festen Boden geht. Der tatsächlich beobachtete Sonnenaufgang findet somit etwas früher und der Untergang etwas später statt. Deshalb wird nach internationaler Übereinkunft der Sonnenaufgang als der  Zeitpunkt definiert, zu dem die Sonne geometrisch noch 50 Bogenminuten unter dem Horizont ist.

Für Zürich bedeutet dies beispielsweise, dass die Angaben der maximalen Verfinsterung doch erheblich variieren können. Für viele Teile Deutschlands spielt es jedoch keine Rolle, da die maximale Verfinsterung erst kurz nach Sonnenaufgang erreicht wird, egal wie man rechnet. Die Werte für die maximale Verfinsterung werden beim Vergleich verschiedener Quellen kaum voneinander abweichen.

Die Diskussion ist auch nicht ganz praxisnah. Wer einen hohen Berg Richtung Nordosten vor dem Haus hat, wird die Finsternis verpassen. Andererseits kann man von einnoch weiter unter den Horizont sehen.


 

Tabelle der Kontaktzeiten
Tabelle: Verlauf der Finsternis für verschiedene Orte. Mag: Abdeckung des Sonnendurchmessers in Prozent. h = Höhe der Sonne zum Maximum der Finsternis. Obsc = Durch den Mond abgedeckte Fläche der Sonnenscheibe zum Maximum der Finsternis. Berechnungen nach A. Barmettler, calsky.com.

» Mehr zu dieser Sonnenfinsternis «

23. November 2003, totale Sonnenfinsternis in der Antarktis

Die totale Sonnenfinsternis des Jahres 2003 findet sehr weit südlich statt Der Kernschatten des Mondes überquert den antarktischen Kontinent und südlichsten Teil des Indischen Ozeans. Der Kontinent ist – wenn man nicht Reinhold Messmer ist – nur mit Expeditionen erreichbar. Für reiche Amateurastronomen wäre eine Kreuzfahrt die einzige Möglichkeit, den Pfad der totalen Finsternis zu erreichen. Allerdings ist die See um die Antarktis kein Schönwettergebiet und die Finsternis findet nur höchstens eine Handbreit über dem Horizont statt.


 

Mondfinsternisse

Auch für Mondfinsternisse ist das Jahr 2003 ein recht gutes Jahr. Von der ersten totalen Mondfinsternis am Morgen des 16. Mai bekommt man in Europa etwa die Hälfte mit. Während der totalen Phase geht bei uns der Vollmond unter.

Verlauf der Mondfinsternis vom 16. Mai 2003, ca. bis zum Monduntergang
Verlauf der Mondfinsternis vom 16. Mai 2003, ca. bis zum Monduntergang in Deutschland.
© A. Barmettler, CalSKY

Die zweite totale Mondfinsternis am 9. November kann in voller Länge beobachtet werden; allerdings ebenfalls in der zweiten Nachthälfte.  Das besondere an der zweiten Mondfinsternis ist, dass sie nur ganz knapp total ist.

Verlauf der Mondfinsternis vom 9. November 2003
Verlauf der Mondfinsternis vom 9. November 2003.
© A. Barmettler, CalSKY

Alle Ereignisse, die von Europa aus beobachtbar sind, finden nicht gerade „zur Hauptsendezeit“ statt. Für Naturbeobachter, die sich nicht scheuen, die Unannehmlichkeit der zweiten Nachthälfte oder des sehr frühen Morgens in Kauf zu nehmen, wird die Natur reizvolle Schattenspiele bereit halten.


 

Tabelle der Kontaktzeiten Tabelle: Verlauf der Finsternis für verschiedene Orte. 1. Kontakt: Der Mond berührt den Kernschatten der Erde von aussen.
2. Kontakt: Der Mond befindet sich ganz im Kernschatten der Erde. Die totale Mondfinsternis beginnt.
3. Kontakt: Der Mond beginnt den Kernschatten der Erde zu verlassen. Die totale Mondfinsternis endet.
4. Kontakt: Der Mond ist vollständig aus dem Kernschatten der Erde ausgetreten.
Berechnungen nach A. Barmettler, calsky.com.


 

Weitere Informationen

CalSKY ist ebenfalls eine Dienstleistung von astro!nfo.

WARNUNG


Mancher Amateurastronom wird die am Ende eines Aufsatzes über Sonnenfinsternisse übliche Warnung als lästig empfinden. Trotzdem ist es notwendig. Auch im Verwandtenkreis des Autors gab es jemanden, der bei der Finsternis 1999 wissentlich die Warnung in den Wind geschlagen hat, mit ungeschütztem Fernglas beobachten wollte und nur durch das schlechte Wetter gerettet wurde.
 
Die Beobachtung der Sonne (namentlich auch während einer partiellen oder ringförmigen Sonnenfinsternis) benötigt zwingend Vorsichtsmassnahmen, um das Augenlicht vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Wer von blossem Auge beobachten möchte, betrachtet die Sonne durch eine neuwertige Finsternisbrille. Dies ist eine spezielle Schutzbrille, die ausdrücklich für den Blick in die Sonne zugelassen ist. Eine normale Sonnenbrille auch mit noch so viel UV-Schutzfaktor und Gütesiegeln ist KEINE Finsternisbrille. Die Finsternisbrillen heissen so, weil 99% der Leute nur während einer Sonnenfinsternis auf die Idee kommen, direkt in die Sonne zu blicken. Man muss sie jedoch bei jedem direkten Blick in die Sonne tragen.
 
Beobachtungen durch ein Fernglas oder Fernrohr benötigen einen vom Hersteller ausdrücklich für die Sonnenbeobachtung zugelassenen Objektivfilter (Objektiv ist „das vordere Ende“ des Fernrohrs, also das Ende, das zur Sonne zeigt).  Wir warnen ausdrücklich davor, mit aufgesetzter Finsternisbrille durch ein ungeschütztes Fernglas oder Fernrohr zu beobachten. Die Folie der Finsternisbrille wird in sehr kurzer Zeit durchschmelzen.
 
Die Verfolgung des Merkurtransits benötigt ein für die Sonnenbeobachtung ausgerüstetes Amateurteleskop. Wer kein solches Teleskop besitzt, wende sich an eine Volkssternwarte in der Umgebung und erkundige sich nach allfälligen Sonderführungen am Morgen des Transits.
 
DER BLICK ZUR SONNE DURCH EIN UNGESCHUEZTES FERNGLAS ODER FERNROHR FUEHRT ZUR SOFORTIGEN ERBLINDUNG. Verzichten Sie im Zweifelsfalle auf die Beobachtung.



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15.05.2003 15:04 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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