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Ikeya-Zhang: Kleiner Osterkomet am Abendhimmel

Bereits jetzt hat der Komet Ikeya-Zhang einiges an Medieninteresse hervorgerufen. In der Tat bietet der Komet auch für den Laien eine Chance, etwas zu sehen. Der Komet wird Ende April / Anfang Mai der Erde am nächsten kommen. Seinen sonnennächsten Bahnpunkt wird er schon am 18. März 2002 erreichen. Die günstigste Beobachtungszeit wird für Mitteleuropa etwa dazwischen liegen.

Bahn des Kometen im inneren Sonnensystem. R. Brodbeck

Bahn des Kometen Ikeya-Zhang. Der dunkelrot eingefärbte Teil seiner Bahnebene liegt über der Erdbahnebene. R. Brodbeck.


Aus den Bahnelementen des Kometen kann man abschätzen, dass er etwa 360 Jahre für einen Umlauf um die Sonne benötigt. Er war somit um das Jahr 1640 zum letzten Mal in Sonnen- und damit auch in Erdnähe. Seine Bahn führt ihn bis weit jenseits der Bahn des Pluto und die Distanz zur Sonne kann bis 100x grösser werden als der Abstand Sonne - Erde. In diesen Wochen befindet sich Ikeya-Zhang jedoch in Sonnennähe und damit auch in Erdnähe. Die geringste Distanz zur Sonne wird am 18. März erreicht und beträgt 51% der Distanz Sonne - Erde (76 Millionen Kilometer). Die kleinste Distanz zur Erde wird am 29. April mit 61 Millionen km erreicht.

Bahn des Kometen Sternenhimmel nach der Abendämmerung. R. Brodbeck

Bahn des Kometen Ikeya-Zhang am Abendhimmel. Zum Monatswechsel April/Mai 2002 wandert der Komet vom das Sternbild Cepheus zum Drachenkopf. Der Stern links vom Wort "Urasa Minor" ist der Polarstern. R. Brodbeck.

Beobachtung von Ikeya-Zhang

Für interessierte Naturbeobachter bietet sich vor allem in der ersten Aprilhälfte die beste Möglichkeit, den Kometen mit einem Fernglas aufzusuchen. Doch schon vor Ostern bietet sich eine Chance, den Kometen am Abendhimmel zu entdecken.

März 2002


Der Komet erreicht seinen sonnennächsten Bahnpunkt östlich und deutlich nördlich von der Sonne. Im Monat März wird jedoch der Beobachter mit etwa 30 Grad Winkelabstand (4 ausgestreckte Faustbreit) zwischen Komet und Sonne auskommen müssen. Trotzdem sollte es reichen, um den Kometen zumindest mit einem Fernglas erfolgreich nach der Abenddämmerung aufsuchen zu können. Allerdings ist dazu besonders klares Wetter und eine freie Sicht nach Nordwesten notwendig. Im Fernglas wird sich der Komet als weisslich schimmernden, länglichen Fleck verraten.

Seine Helligkeit (etwas schwächer als 4. Grösse) würde auch eine Beobachtung von blossem Auge zulassen. Allerdings macht es die horizontnahe Stellung schwierig, den Kometen unter normalen Bedingungen in der Nähe von Siedlungsgebieten ohne - wenn auch bescheidene - optische Hilfsmittel auszumachen. Ausserdem geht der Komet bald nach Sonnenuntergang selbst am Nordwest-Horizont unter.


Erste Aprilhälfte 2002

Der Komet entfernt sich von der Sonne – dadurch wird weniger Gas und Staub vom Kometen weggedampft – kommt aber gleichzeitig auf die Erde zu. Das Näherkommen kann die durch die zunehmende Sonnenentfernung verursachte Helligkeitsabnahme in der ersten Aprilhälfte wohl einigermassen kompensieren, so dass der Komet etwa 4. Grösse bleibt. Das bedeutet, er wird ein sehr schönes Objekt für Beobachter mit Fernglässern und Teleskopen sein. Er bleibt aber unspektakulär für die Beobachtung von blossem Auge. Der Winkelabstand zur Sonne vergrössert sich anfangs April rasch, sodass Ikeya-Zhang bei Anbruch der Dunkelheit höher am Himmel steht und schliesslich sogar zirkumpolar wird (er geht nicht mehr unter den Horizont). Die Zeit zwischen 5. und 10. April mag somit die beste Zeit sein, um nach Komet Ikeya-Zhang mit blossem Auge zu suchen. Danach beginnt wieder der Mond mit seinem Licht die Beobachtung zu stören.

Bahn des Kometen Sternenhimmel nach der Abendämmerung. R. Brodbeck

Bahn des Kometen Ikeya-Zhang am Abendhimmel. In der ersten Aprilhälfte 2002 ist der Komet unterhalb der Kassiopeia zu finden. R. Brodbeck.


Ab der zweiten Aprilhälfte 2002

Etwa am 1. Mai wird der Komet der Erde am nächsten kommen. Seine Distanz wird dann 40% der Distanz zwischen Erde und Sonne entsprechen. Dies wird aber den Helligkeitsverlust durch die zunehmende Sonnendistanz nicht ausgleichen können. Doch der Komet  sollte auch im Mai selbst für weniger gut ausgerüstete Amateurastronomen ein leichtes Objekt bleiben und immer noch auf dem Beobachtungsprogramm der Volkssternwarten stehen.

Da man den Aufbau eines bestimmten Kometenkerns nicht kennt, sondern nur Erfahrungswerte besitzt, sind natürlich – was die Helligkeit und Schweifentwicklung betrifft – immer Überraschungen möglich. Dass sich Ikeya-Zhang aber doch noch zu einem Spektaktels wie das Auftreten des Kometen Hale-Bopp im Jahr 1997 entwickelt, kann aber so gut wie ausgeschlossen werden.

Was ist ein Komet?

 

Bewegung des Kometen 1999 S4 (LINEAR) im Laufe von 1.5 Stunden. CCD-Bilder von R. Brodbeck.

Die Kometen sind eine Art durch das Sonnensystem driftende Eisberge. Sie stammen aus den sonnenfernen und damit kalten Regionen des Sonnensystems, wo Wasserreis, Trockeneis und andere flüchtige Substanzen gefroren bleiben. Gerät ein solcher typischerweise wenige Kilometer grosser Brocken in das innere Sonnensystem, wo auch die Erde ihre Bahn um die Sonne zieht, beginnen die vorher gefrorenen Substanzen zu sublimieren. Der Kern des Kometen lässt sich nur auf den Bildern der Raumsonden beobachten. Komplizierte chemische Reaktionen erzeugen an der Oberfläche des Kerns schwarze, teerartige Substanzen. Deshalb glichen die Kerne der Kometen auf den Raumsondenbilder eher einem Stück Kohle, als einem schneeweissem Eisberg.

Die abdampfenden  Gase und mitgerissenen Staubpartikel driften langsam vom Kometenkern (dem "Eisberg") weg. Der Durchmesser dieser Wolke kann einige hunderttausend Kilometer erreichen (entspricht der Distanz Erde Mond). Dies nennt man den Kometenkopf. Der Kometenkopf ist auch das, was man von Auge oder im Fernglas am auffälligsten sieht.

Die Gase werden durch geladene Partikel und das ultraviolette Licht der Sonne ionisiert und schliesslich vom Partikelstrom der Sonne (dem Sonnenwind) radial von der Sonne weg in den Weltraum mitgerissen. Diese bei Hale-Bob in einem bläulichen Licht schimmernden Gase nennt man den Gasschweif des Kometen. Die Staubpartikel reagieren träger auf den Einfluss der Sonne. Vor allem der Lichtdruck der Sonne schiebt sie ebenfalls nach aussen, also von der Sonne weg. Staubpartikel reflektieren das Sonnenlicht und der Staubschweif erscheint farblos bis leicht gelblich.

Weitere Informationen

 



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15.05.2003 15:05 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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