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Stardust-Sonde flog erfolgreich an Erde vorbei. Drittgrösstes Kuiper-Gürtel-Objekt. Das dritte Jahrtausend beginnt. Cassini bei Jupiter. Neuer Beweis für den Urknall. Doch noch eine Chance für "Pluto-Kuiper-Express". Kleine Chance auf einen Weihnachtskometen für 2001. Salzwasserozean auf Ganymed. Saturn hat 30 Monde.

Bilder des Monats
Jupiter

Die Saturnsonde Cassini hat dieses beeindruckende Farbbild vom Riesenplaneten Jupiter aus 77.6 Millionen Kilometern Entfernung aufgenommen. Zum Jahreswechsel flog sie mehr als zehnmal näher an Jupiter vorbei (siehe unten). Anklicken für ein grösseres Bild. Quelle: JPL Cassini Homepage.

Jupiter-Nordlicht

Nordlichter auf Jupiter, wie sie vom Weltraumteleskop gesehen wurden. Die Beobachtung von Jupiter-Nordlichter ist Gegenstand eines gemeinsamen Beobachtungsprogramms der Raumsonde Cassini und des Weltraumteleskops Hubble.

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Stardust-Sonde flog an Erde vorbei


Stardust beim Vorbeiflug an der Erde als Strichspur. Aufnahme: John E. Rogers mit dem Helin 0.3-m Schmidt-Cassegrain Telescope des kalifornischen Camarillo Observatoriums. Quelle: Stardust Homepage JPL/NASA.

Am Montagmittag, um 12 Uhr 13 mitteleuropäischer Zeit flog die Kometensonde Stardust in nur 6'000 km erfolgreich an der Erde vorbei.

Sie holte sich dabei Schwung durch die Erdanziehung, um in drei Jahren zum periodischen Kometen 81P/Wild 2 zu gelangen und dort Kometenstaub einzusammeln und zur Erde zurückbringen. Der Komet Wild 2 wurde 1978 vom Berner Astronomieprofessor Paul Wild entdeckt und kreist in nur 6.4 Jahren einmal um die Sonne.

Beobachter in Australien, Ostasien und im Westpazifik können die vorbeifliegende Sonde mit guten Feldstechern als etwa 9 mag helles Objekt beobachten. Eine Gefahr durch den Vorbeiflug besteht nicht. (Quelle: Stardust Homepage, Skypub). phh.

 

Wir leben nun im 3. Jahrtausend

Mit dem 1. Januar 2001 endet die Verwirrung darüber, zu welchem Jahrhundert oder Jahrtausend das Jahr 2000 nun gehöre. Wir von astro!nfo und auch (fast?) alle Astronomen vertreten die Meinung, dass das 3. Jahrtausend erst jetzt beginnt. Der erste Januar 2001 ist nun unbestritten ein Tag im 21. Jahrhundert und im 3. Jahrtausend. Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start in das neue Jahrtausend. rbr.

 

Erfolgreicher Vorbeiflug von Cassini an Jupiter

Am 30. Dezember 2000 flog die unbemannte Raumsonde Cassini auf ihrem Weg zu Saturn an Jupiter vorbei. Sie passierte den grössten Planeten des Sonnensystems in 10 Millionen Kilometer Entfernung. Dies entspricht 26 x der Distanz Erde-Mond. Das Besondere an dem Vorbeiflug ist die Zusammenarbeit mit dem künstlichen Jupitersatelliten Galileo, der seit 1995 den Jupiter umkreist. Für den Januar sind Beobachtungen der Polarlichter von Jupiter geplant, die Cassini von der Nachtseite des Jupiter sieht, während das in einer Erdumlaufbahn befindliche Weltraumteleskop Hubble die Jupiter-Polarlichter von der Tagseite aus fotografiert.

Cassini wird im Juli 2004 den Planeten Saturn erreichen und dort in eine Umlaufbahn um den Planeten einschwenken (Quelle: JPL). rbr.

Drittgrösstes Kuiper-Gürtel-Objekt entdeckt


Grössenvergleich des neu entdeckten Objekts mit dem Plutomond Charon. Grafik: Ph. Heck / astro!nfo.

Astronomen der Universität Hawai'i beobachteten das Ende November 2000 entdeckte Objekt mit der provisorischen Bezeichnung 2000 WR 106 kurz vor dem Jahreswechsel und konnten seinen Durchmesser auf ungefähr 900 km bestimmen. Damit ist der 6.4 Milliarden km entfernte Kleinplanet neben Pluto und seinem Mond Charon das grösste Objekt im Kuiper-Gürtel.

Der Kuiper-Gürtel beinhaltet unzählige eisige Kleinplaneten jenseits der Umlaufbahn von Neptun. Bis Ende 2000 wurden dort mehr 360 ferne Welten entdeckt. Spezialisten vermuten dort mehr als 70'000 Objekte mit mehr als 100 km Durchmesser.

Der Durchmesser wird anhand der absoluten Helligkeit und dem Reflektionsverhalten (Albedo) bestimmt. Eine Albedo von 1.00 bedeuted, dass alles einfallende Licht von einem Körper reflektiert wird, bei 0.00 wird alles absorbiert. Aufgrund verschiedener Beobachtungen nimmt man an, dass die Oberflächen der Kuiper-Gürtel-Objekte Albedos von 0.05 bis 0.25 haben. (Quelle: Kuiper-Belt-Page von D. Jewitt, Univ. of Hawai'i, Skypub, CfA-Harvard). phh.

30. Saturnmond entdeckt


Bahnen der neuentdeckten Saturnmonde. Quelle: Observatoire de la Côte d'Azur.

Der 29. Saturnmond S/2000 S11 wurde mit einem 1.2-m-Teleskop in Arizona entdeckt, der 30. Saturnmond S/2000 S12 mit dem 3.6-m-Canada-France-Hawaii-Teleskop auf dem Schildvulkan Mauna Kea in Hawai'i. Die Monde sind sehr klein: S12 misst nur 5 km im Durchmesser, S11 immerhin 35 km. Die beiden Monde gehören zu den irregulären Satelliten Saturns, d.h. ihre Bahnen sind sehr stark exzentrisch und geneigt.

Quelle: Observatoire de la Côte d'Azur.


Nach diesen Entdeckungen kennen wir insgesamt 81 Monde der neun Planeten:

Merkur:
Venus:
Erde:
Mars:
Jupiter:
00 Monde
00 Monde
01 Mond
02 Monde
18 Monde *
Saturn:
Uranus:
Neptun:
Pluto:
30 Monde
21 Monde
09 Monde
01 Mond
* Der kürzlich entdeckte 18. Jupitermond S/2000 J 1 ist möglicherweise Identisch mit dem bereits 1975 beobachteten Mond S/1975 J 1 (Nach IAUC 7525). Dann hätte Jupiter nur 17 Monde.
Quelle: IAUC 7538, 7539. phh

Salzwasserozean auf Jupitermond Ganymed vermutet

Mitte Dezember wurde an einer internationalen Wissenschaftstagung in San Franscisco bekannt gegeben, dass sich unter der dicken Eiskruste des grössten Mondes von Jupiter wahrscheinlich ein Salzwasserozean befindet. Einerseits weisen Messungen des Magnetfelds von Ganymed darauf hin, andererseits sind auf der Eiskruste lineare Strukturen sichtbar. Solche Strukturen kommen auch auf dem Nachbarmond Europa vor, wo schon seit längerem ein Ozean unter dem Eis vermutet wird.

Das Meer soll von etwa 200 km Eis bedeckt sein und in der geologischen Vergangenheit könnte an den linearen Strukturen zeitweise Salzwasser an die Oberfläche getreten sein - heute lassen sich dort Salze feststellen. Die neuen Erkenntnisse sind den Beobachtungen der Galileosonde zu verdanken, die bereits seit fünf Jahren um Jupiter kreist. (Quelle: JPL/NASA). phh.

Neue Bestätigung des Urknalls

Der Urknall ist mittlerweile als Beginn des Weltalls allgemein anerkannt, wenn man von ein paar bibelfesten Staaten in den USA absieht. Das Weltall entstand vor ca. 14 Milliarden Jahren in einem sehr heissen Zustand, dehnte sich aus und kühlte sich rasch ab. Heute ist es -270 Grad Celsius kalt. Wenn man Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien beobachtet, sieht man auch entsprechend in die Vergangenheit zurück. Diese entfernten Galaxien sehen wir, wie sie waren, als das Weltall noch jünger und damit auch wärmer war.

Astronomen aus Deutschland, Frankreich und Indien untersuchten das Licht eines aktiven sehr weit entfernten Galaxienkerns. Das Licht dieses sogenannten Quasars wird durch zwischen uns und dem Quasar liegenden Gas- und Staubwolken, die selbst Milliarden Lichtjahre entfernt sind, geschwächt. Dieser Umstand erlaubte den Astronomen, Rückschlüsse auf die Temperatur des Universums zu machen, als es erst ein Sechstel des heutigen Alters hatte. Sie folgerten, dass damals das Weltall wärmer war als heute. Damit ist eine bedeutende Vorhersage der Urknalltheorie nun durch Beobachtung bestätigt worden (Quelle: ESO). rbr.

Doch noch eine Chance für Plutomission

Die Streichung der geplanten Mission zum äussersten Planeten des Sonnensystems hat zu massiven Protesten geführt, so dass die NASA sich genötigt sah, ihre Entscheidung nochmals zu überdenken. Die Kosten müssen jedoch deutlich unter 500 Millionen US-Dollar bleiben, damit das Projekt seine Chancen auf Verwirklichung wahren kann. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn wenn die Sonde die Schwerkraft des Jupiters ausnutzen will, muss sie 2004 starten, spätestens 2006. Würde das gelingen, könnte die Sonde, die zur Zeit den Projektnamen "Pluto-Kuiper-Express" trägt, 2015 den Pluto erreichen.

Noch befindet sich Pluto im sonnennächsten Bereich seiner Bahn und es ist ungewöhnlich "warm" auf Pluto, was zur Ausbildung einer kleinen Atmosphäre geführt hat. Nach 2020 wird es wieder so kalt auf Pluto, dass diese Atmosphäre als Reif auf der Oberfläche niederschlägt. Ab 2020 wäre die Chance, diese Plutoatmosphäre zu untersuchen, für die kommenden 200 Jahre vertan (Quelle: JPL).

Kleine Chance auf einen Weihnachtskometen für 2001

Der am 20. Dezember von LINEAR entdeckte Komet C/2000 WM1 (LINEAR) könnte möglicherweise um den Jahreswechsel 2001/02 von blossem Auge gesehen werden. Allerdings werden dann nur diejenigen den Kometen sehen, die Ihre Ferien weit im Süden verbringen werden. Denn ab Mitte Dezember 2001 wird der Komet nicht mehr vom deutschen Sprachraum aus beobachtbar sein, unabhängig von seiner Helligkeit.

Helligkeitsprognosen für Kometen sind sehr schwierig. Erst im Herbst 2001 wird man etwas verlässlicher sagen können, ob es sich tatsächlich um einen leicht auffindbaren Kometen handeln wird (Quelle: JPL). rbr.

Sedimentgesteine auf dem Mars

Untersuchungen an Aufnahmen des Marssatelliten Mars Global Surveyor zeigen hunderte von Aufschlüssen geschichteter Gesteine auf der Marsoberfläche. Die beste Erklärung für die beobachteten Gesteinsschichten ist die Annahme, dass Mars in seiner Frühzeit Seen und Meere aus flüssigem Wasser besass. Die Nasa bezeichnete diese Entdeckung als vielleicht die wichtigste überhaupt seit Beginn der Marserkundung mit Raumsonden. phh.

Mehr darüber...
Newsseite: Philipp Heck (Email) und Roland Brodbeck (Email)


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12.10.2001 12:02 Uhr, Arnold Barmettler

astro!nfo