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Das grösste Fernglas der Welt blickt erstmals mit beiden Augen ins All

Das grösste Fernglas der Welt blickt erstmals mit beiden Augen ins All

Bild: LBT-Aufnahme der Spiralgalaxie NGC 2770. Das ferne Sternsystem besteht aus einer flachen Scheibe aus Sternen und leuchtendem Gas, die leicht zu unserer Sichtlinie geneigt ist. Bild MPG.

Nach mehr als zehnjähriger Bauzeit hat das leistungsstärkste Einzelteleskop der Welt, das Large Binocular Telescope (LBT), mit seinen beiden riesigen "Augen" den Himmel beobachtet. Die US-amerikanischen, italienischen und deutschen Partner im Large Binocular Telescope-Projekt berichten vom erfolgreichen "Ersten Licht" bei der Beobachtung im binokularen Modus.

aba. Das auf dem Mount Graham im Südosten von Arizona erbaute LBT kostet 120 Millionen Dollar und ist das Erste einer neuen Generation von außergewöhnlich großen optischen Teleskopen. Es überschreitet bisherige Grenzen in der Astronomie wie auch in der Technologie, denn es verwendet zwei massive Einzelspiegel mit jeweils 8,4 Metern Durchmesser, die nebeneinander auf einer gemeinsamen Montierung installiert sind. Damit erreicht das LBT das Lichtsammlungsvermögen eines Teleskops mit einem 11,8 Meter-Spiegel. Die beiden Spiegel sind Dank ihrer Honigwabenstruktur viel leichter als konventionelle Reflektoren und arbeiten nun parallel wie ein klassisches Teleskop mit einem einzigen großen Spiegel. In der letzten Ausbaustufe wird das LBT durch die interferometrische Überlagerung der Strahlengänge der beiden Einzelspiegel die Auflösung eines 22,8-Meter-Teleskops erreichen. Damit ist das LBT nun das größte Einzelteleskop der Welt.

Allein das einzigartige Gebäude für das 600 Tonnen schwere LBT ist bereits ein architektonisches und technologisches Wunder. Sein Bau begann 1996. Die Teleskopstruktur wurde in Italien gebaut, während bei der Universität von Arizona die beiden Hauptspiegel gegossen und poliert wurden. Das Teleskop wurde 2002 zum Mount Graham transportiert, der erste Spiegel erreichte den Berg im Jahr 2003 und wurde im Laufe des Jahres 2004 montiert und justiert, 2005 folgte dann der zweite Spiegel. Erstes Licht mit dem ersten der beiden Hauptspiegel erfolgte im Oktober 2005. Dabei wurde die aus 36 Megapixeln bestehende Panorama-CCD-Kamera eingesetzt, die von einem Team unter der Leitung des Observatoriums Rom gebaut worden war. Die Lieferung der zweiten Panorama-CCD-Kamera im November 2007 erlaubte erstmals den Einsatz des zweiten Hauptspiegels und den Abschluss der technischen Arbeiten für das "Erste Licht" im binokularen Betrieb.

Die Spiralgalaxie NGC 2770
Die "First-Light"-Bilder im binokularen Betrieb liefern einen ersten kleinen Eindruck vom großen Leistungspotenzial des LBT. Sie zeigen drei Falschfarbenaufnahmen der Spiralgalaxie NGC 2770 in 102 Millionen Lichtjahren Entfernung. Das ferne Sternsystem besteht aus einer flachen Scheibe aus Sternen und leuchtendem Gas, die leicht zu unserer Sichtlinie geneigt ist. Im ersten Bild (unten links) sind ultraviolettes und grünes Licht kombiniert. Dies betont die mehr klumpigen Regionen von neu entstandenen heißen Sternen in den Spiralarmen. Im zweiten Bild (unten rechts) sind zwei tiefe Aufnahmen im roten Spektralbereich kombiniert, welche die eher gleichmäßige Verteilung der älteren und kühleren Sterne zeigt. Im dritten Bild (siehe oben) sind schließlich alle Einzelaufnahmen zusammengefasst, um alle Strukturen der Galaxie zu zeigen.

NGC 2770. Links: Die Kombination zweier Aufnahmen im ultravioletten und grünen Licht betont die neu entstandenen heißen Sternen in den Spiralarmen. Rechts: Tiefe Aufnahme im roten Spektralbereich. Hier ist die eher gleichmäßige Verteilung der älteren und kühleren Sterne zu erkennen. Bild bei Einleitung des Artikels: In dieser Zusammenfassung aller Einzelaufnahmen sind viele Strukturen der Galaxie gut erkennbar. Bilder MPG.

Internationales Projekt
Das LBT ist ein Gemeinschaftsprojekt vieler verschiedener wissenschaftlicher und astronomischer Institutionen in den USA, Italien, und Deutschland. Neben finanziellen Beiträgen gewährleisten auch die besonderen Fachkenntnisse der Partner, dass das LBT das fortschrittlichste Teleskop der Welt sein wird.

Ein Konsortium von fünf Instituten aus Deutschland unter Koordination des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg zeichnen zu 25 Prozent Anteil am gesamten Projekt. Weitere je 25 Prozent beigetragen haben die University of Arizona und das italienische Instituto Nazionale di Astrofisica.

Durch Erreichen dieses neuen Meilensteins ist das LBT nun auf dem Weg, mit neuen und noch leistungsfähigeren Blicken in die Tiefen des Universums fundamentale Fragen über die Entstehung des Universums und geheimnisvolle Welten in anderen Planetensystemen zu beantworten. 19.03.2008


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19.03.2008, Arnold Barmettler

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